Become A Rockstar Photographer – Konzertfotograf Matthias Hombauer im Interview

AtariTeenageRiot-Konzertfotografie-Tipps

Mein erstes Mal Konzertfotografie hatte ich bei der schottischen Indierock-Band Mogwai. Nach etwas Bemühung bei der Plattenfirma habe ich einen Fotopass bekommen. Ich musste mich mühsam mit der Fototasche durch die Menge nach vorne schieben. Vorne angekommen, hörte ich vom 2 Meter hoch-wie-breiten Security-Mann “Three songs, no flash“.  Drei Songs? Kein Blitz? Gedränge? Wie mache ich da ein gutes Foto? Wie machen das denn die Profis der Musikfotografie?

Kürzlich hatte ich die Gelegenheit mit Matthias Hombauer zu sprechen. Matthias ist professioneller Konzertfotograf. Er fotografierte sowohl bei Stadionkonzerten wie The Rolling Stones oder Miley Cyrus, begleitete Bands wie Elvis Costello und Peter Gabriel auf ihrer Tour, porträtierte den britischen Sänger Andrew Roachford und fotografierte Bands wie The Prodigy backstage.

Wie wird man eigentlich Musikfotograf?

Matthias ist viele Tage im Jahr mit diversen Musikern auf Tour, schreibt Bücher über Musikfotografie, gibt Workshops und weiß, wie es ist Rockstars zu fotografieren. Ich habe ihm ein paar Fragen zu seiner Konzertfotografie, seiner Kameraeinstellung und seinem Equipment gestellt. Hier findest du wertvolle Tipps für Musikfotografie und erfährst mehr über Kameraeinstellungen beim Konzerte fotografieren.

The Prodigy, Backstage. Foto Musikfotograf Matthias Hombauer
“Ich hatte bei The Prodigy nur 30 Sekunden Zeit um das Gruppenfoto zu realisieren. Das kann mit unter schon sehr stressig sein” / The Prodigy, Backstage. Foto (c) Matthias Hombauer

Wie bist Du zur Fotografie gekommen?

Angefangen hat alles mit einer Lomo Compact Automatic (LCA), einer alten russischen analogen 35mm Kamera. Die erste Spiegelreflex Kamera habe ich mir auf einer Reise nach Hongkong gekauft. Mit dieser habe ich die ersten Erfahrungen in der digitalen Fotografiewelt gesammelt.

Wie ist es eine Band wie The Prodigy Backstage zu fotografieren?

Musikfotograf-Mathias-Hombauer
Musikfotograf Matthias Hombauer. Foto (c) Matthias Hombauer

Wenn man direkt mit Bands zusammenarbeitet ist das schon etwas ganz besonderes. Man wird für einen Abend Teil dieser Band und hat die Möglichkeit exlusive Fotos zu schießen. Durch Zeitmangel kann es jedoch vorkommen, daß ein Backstage-Fotoshooting sehr spontan umgesetzt werden muß. Zum Beispiel hatte ich bei The Prodigy nur 30 Sekunden Zeit um das Gruppenfoto zu realisieren. Das kann mit unter schon sehr stressig sein.

Mit welchem Equipment fotografierst Du bei Konzerten hauptsächlich?

Ich arbeite mit einer Nikon D700 und D800 mit jeweils einem Nikon 24-70mm f2.8, Nikon 80-200mm f2.8, Nikon 85mm f1.4 und einem Samyang 14mm f2.8. Ich verwende Fixbrennweiten mit einer großen Blende bei sehr schwierigen Lichtverhältnissen. Nachdem nur eine eingeschränkte Bewegungsfreiheit vor der Bühne gegeben ist, sind Zoomobjektive ebenfalls unerlässlich. Bei Stadienkonzerten wie z.b. The Rolling Stones oder Miley Cyrus leihe ich mir dann zusätzlich auch schon einmal ein 300mm oder 400mm Objektiv aus. Der Grund dafür ist nicht die große Bühne, sondern die Beschränkung aus 20-30m Entfernung zu fotografieren.

Erinnerst Du Dich noch an das erste Konzert, das Du fotografiert hast?

Das erste Konzert war „Tv On The Radio“ in der Arena Wien. Ich kann mich noch sehr gut daran erinnern. Ich war so sehr mit der Kamera beschäftigt, sodass ich fast vergessen habe was vor mir auf der Bühne passiert. Die ersten drei Lieder waren schnell vorbei und am Ende hatte ich Hunderte von Fotos auf der Speicherkarte.

Roachford-Hombauer-Musiker-Portrait
Sänger Roachford im Portrait. Foto (c) Matthias Hombauer

Wie unterscheidet sich das Künstlerportrait von dem Live-on-Stage Foto?

Die Arbeitsweise bei Künstlerportraits ist eine völlig andere. Im Fotograben habe ich nicht die Möglichkeit über die Lichtverhältnisse und die Bühnenpräsenz des Künstlers zu beeinflussen. Bei Künstlerportraits kann ich mich besser vorbereiten, wobei diese Portraitshootings meist nicht länger als fünf Minuten dauern. Ich habe daher immer schon eine genaue Vorstellung wie das finale Foto aussehen soll. Mir macht sowohl die Live- wie auch die Portraitfotografie gleich viel Spass.

Was reizt Dich so an der Musikfotografie?

Während meiner Doktorarbeit in molekularer Biologie kam mir die Idee meine beiden Leidenschaften – Fotografie und Musik – zu verbinden. Somit habe ich mein Hobby schlussendlich zum Beruf gemacht. Für mich ist die Musikfotografie eine der spannendsten Felder in dieser Branche.

“… dem Betrachter das Gefühl zu gebe, als ob er selbst beim Konzert dabei gewesen ist.”

Wie würdest Du Deinen fotografischen Stil beschreiben?

Ich denke für einen Fotografen ist es schwer seinen eigenen Stil zu beschreiben. Menschen erzählen mir, dass sie meinen Fotografiestil erkennen, wenn sie meine Fotos sehen. Meine Konzertfotos sind meist kontrastreich und ich achte auf eine schlichte Komposition z.B. lege ich viel Wert darauf die Regeln des „goldenen Schnittes“ einzuhalten.

Wie leicht ist es für dich bei Livekonzerten dein gewünschtes Motiv zu isolieren vom Hintergrund?

Die Schwierigkeit bestet darin, störende Bühnenelemente im Hintergrund zu minimieren. Das macht man am besten durch die Wahl einer großen Blende (kleinen Blendenzahl), da aufgrund dieser Einstellungen der Hintergrund verschwommen erscheint (Stichwort: BOKEH).

Was zeichnet Deiner Meinung nach ein tolles Foto aus?

Für mich zeichnet ein tolles Fotos aus, wenn es gelingt, dem Betrachter das Gefühl zu gebe, als ob er selbst beim Konzert dabei gewesen ist.

AtariTeenageRiot-Konzertfotografie-Tipps
AtariTeenageRiot. Foto (c) Matthias Hombauer

Spielt der Zufall bei Deinen Arbeiten eine große Rolle? Kann man bei Konzerten wirklich planen?

Durch die schwierigen Lichtverhältnisse auf der Bühne und die Tatsache, dass man als Fotograf keinen Einfluss auf die Musiker nehmen kann, gestaltet es sich schwierig den richtigen Moment einzufangen. In der Regel fotografiere ich 200-300 Fotos während der ersten drei Songs, um dann die besten Fotos auszuwählen. Beobachten ist sehr wichtig! Aber als Konzertfotograf hat man ja keinen Einfluß auf die Bühnenshow des Künstlers, deswegen ist es eine gute Strategie sehr viele Momente festzuhalten. Mit jeder weiteren Konzerterfahrung steigt die Anzahl der guten Fotos.

Wie empfindest Du die technische Entwicklung in den letzten Jahren?

Die technische Entwicklung und daher der günstigere Preis des Equipments in den letzten Jahren hat dazu geführt, dass es immer einfacher wird Konzertfotograf zu werden. Ein Problem liegt aber darin, dass viele neue Fotografen die geschäftliche Komponente außer acht lassen. Viele glauben, nur weil es ihr Hobby ist, ist es auch gut, ihre Fotos zu verschenken. Das führt dazu, dass der Markt in sich zusammenbricht und es schwer ist anständig für seine professionellen Leistungen bezahlt zu werden. Ich denke aber, dass es ein allgemeines Problem in kreativen Berufen ist.

Für mich ist die technische Weiterentwicklung nicht so wichtig und ich fotografiere Künstlerportraits oft noch mit analogen Mittelformatkameras.

Du hast ein Projekt gestartet um anderen Menschen die Musikfotografie beizubringen. Wie kam es dazu?

Als ich anfing Konzertfotografie als meine Leidenschaft zu entdecken begann ich Artikel für internationale Fotografie-Blogs wie Petapixel und Digital Photography School zu schreiben. Die positiven Rückmeldungen zeigten mir, daß es viele interessierte und begeisterte Fotografen weltweit gibt, die mehr über Musikfotografie lernen wollten. Daher entstand die Grundidee, mein ganzes Wissen im Bereich der Konzertfotografie zusammen zu fassen und das Projekt „How To Become A Rockstar Photographer“ zu starten.
Des weiteren habe ich auch das ebook „Guide To Rockstar Concert Photography“ geschrieben. Dabei handelt es sich um eine Schritt-für-Schritt Anleitung, wie man selbst Musikfotograf werden kann. Es beinhaltet Themen wie man sich auf das erste Konzert vorbereitet, welches Equipment und Kameraeinstellungen verwendet werden, bis hin zu Themen wie man im Musikbusiness Akkreditierungen erhält und was man als Tourfotograf beachten muss.

Was sind Deine meist genutzten Kameraeinstellungen?

1. Fotografiere mit Offener Blende (kleinste Blendenzahl z.B. f1.8, f2.8)
2. Verwende schnelle Belichtungszeiten (>1/200 sec)
3. Meist sind hohe ISO Einstellungen nötig, daher ist es ratsam eine Kamera zu verwenden, welche mind. ISO 6400 bewerkstelligt.

Womit bearbeitest Du Fotos im Nachhinein?

Ich verwende für die Nachbearbeitung meiner Konzertfotos ausschließlich Adobe Lightroom. Mit dieser Software ist es möglich viele Fotos auf einfachem Wege zu bearbeiten. Ich verwende auch meine eigenen Lightroom Presets. Das sind Vorlagen die mir helfen Basisparameter wie Helligkeit, Kontrast und Sättigung mit einem Klick anzupassen. Die Nachbearbeitungszeit wird aufs Minimum reduziert.

Wer sind Deine fotografischen Vorbilder?

Einer meiner Vorbilder ist sicherlich Anton Corbijn. Er hat mit Bands wie U2, The Rolling Stones, Depeche Mode, Nirvana und Arcade Fire zusammengearbeitet und sein Stil ist unverkennbar. Weiters liebe ich die skurrilen Schauspieler-Portraits von Martin Schoeller. Meiner Meinung nach ist es wichtig Vorbilder zu haben aber als Fotograf muss man seinen eignen Stil und seine eigene Vision finden damit man sich aus der Masse herausheben kann

Im Hinblick auf fotografieren lernen: Was hättest Du gerne damals gewusst?

Es gibt sehr wenig Literatur darüber, wie man Musikfotograf wird. Ich habe von ganz unten angefangen. Mittlerweile weiß ich, worauf es im Musik Business ankommt. In den letzten Jahren bin ich meinen eigenen Weg gegangen. Die Zeit des Lernens möchte ich jedoch nicht missen. Weil ich glaube, dass jeder seine eigenen Erfahrungen machen muss. Und jetzt freue ich mich, wenn ich anderen meine Tipps geben kann.

Hast Du ein Foto, auf das Du besonders stolz bist?

Eines meiner Lieblingsfotos ist ein Konzertfoto der britischen Band FINK das im Wiener WUK entstanden ist. Das Management der Band hat mich anschließend kontaktiert und gesagt, dass sie mein Foto im Booklet ihres Live Albums „Wheels turn beneath my feet“ verwenden wollen. Das sind die Momente im Leben eines Musikfotografen auf die man besonders stolz ist. Mittlerweile habe ich mit der Band schon einige Male zusammen gearbeitet und werde auch ihre Österreich Tour im nächsten Jahr als Tourfotograf begleiten.

Fink im WUK in Wien. Foto (c) Matthias Hombauer.
Fink im WUK in Wien. Foto (c) Matthias Hombauer.

Was sind Deine nächsten Herausforderungen, auf die Du dich besonders freust?

Herausforderungen gibt es immer und ich denke dieses Jahr habe ich schon einige davon gut gemeistert. Ich habe die deutsche Balkan Band Shantel & Bucovina Club Orkestar auf ihrer Welttournee begleitet, ich bin mit Elvis Costello und Peter Gabriel getourt, mein Projekt „How To Become A Rockstar Photographer“ hat weltweit Fans begeistert und ich habe bereits erfolgreich meinen zweiten Konzertfotografie Workshop in Wien absolviert.

Das nächste Projekt, auf dass ich mich besonders freue ist die Zusammenstellung und Veröffentlichung eines Bildband über Shantel, Ich habe 25 Shows fotografiert und das Buch wird im Frühjahr 2015 erscheinen.

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Mehr Infos zu Matthias findet ihr auf seine Webseite:
howtobecomearockstarphotographer.com

 

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lars poeck

lars poeck

Hier schreibe ich über mein Lieblingsthema: Die Fotografie. Ich schreibe über meinen Weg das Fotografieren zu lernen, mich verbessern zu wollen und stets neugierig zu bleiben.

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