Als ich mit meiner Mission Fotografieren lernen losgelegt habe, wollte ich vor allem meine Bildgestaltung verbessern. Dieses „weniger ist mehr“ zu verinnerlichen, war ganz schön schwer. Dabei ist es doch eigentlich so leicht – oder nicht? Suche dir ein schönes Motiv, eliminiere alles, was eventuell stören könnte aus dem Rahmen, füge negativen Raum hinzu und drücke den Auslöser. Und genau dieses Weglassen übe ich bis heute. Wie ergeht es dir so dabei? Fällt es dir leicht deine Motive zu reduzieren?
Bildgestaltung: 7 Tipps für mehr von weniger in deinem Bild
Hier habe ich dir einmal 7 Tipps aufgeschrieben, nach denen ich immer mal wieder versuche mich zu reduzieren. Mehr kann ja schließlich jeder – weniger ist das, worauf es oft ankommt. Wenn du noch mehr lesen möchtest zu dem Thema, dann schau auch mal in meiner Liste zum Thema Bücher zum Fotografieren lernen.
1. Fotografiere ein Objekt zur Zeit – nicht mehr, nur eins!

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Darum wirkt’s
Hier reichen dir die Form der Philharmonie und der blaue Himmel als Gegenpol. Du erkennst sofort, worum es geht – genau das macht eine klare Bildgestaltung aus.
Probier’s selbst
Such dir ein Hauptmotiv und räum deinen Ausschnitt auf. Geh einen Schritt zur Seite, bis Laternen, Autos oder Schilder nicht mehr dazwischenfunken.
Mein kleiner Tipp
„Nur eins“ heißt nicht, dass du nur einen Gegenstand zeigen darfst. Gib deinem Foto eine Hauptrolle. Alles andere darf sie unterstützen.
2. Rahme sich wiederholende Strukturen ein

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Darum wirkt’s
Die Stufen wiederholen sich fast übers ganze Bild. Dazwischen sitzt die Frau als Blickfang. Gerade weil du so viel Gleichmäßiges siehst, fällt dir diese eine Unterbrechung auf.
Probier’s selbst
Such Treppen, Fensterreihen oder Zaunlatten. Mit solchen Formen und Mustern kannst du auch direkt vor deiner Haustür spielen.
Mein kleiner Tipp
Entscheide dich: Willst du ein ganz ruhiges Muster zeigen oder einen kleinen Ausreißer darin? Warte auf eine Person oder verändere deinen Ausschnitt.
3. Finde den weiten Blick als einfachen Hintergrund

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Darum wirkt’s
Der einzelne Baum bekommt viel Platz. Der ruhige Himmel und die Wiese lassen ihn wirken. Diesen freien Bereich kannst du als negativen Raum ganz bewusst nutzen.
Probier’s selbst
Such dir einen Baum, ein Haus oder eine Person vor einem schlichten Hintergrund. Du brauchst keine spektakuläre Landschaft – oft reicht ein anderer Standort.
Mein kleiner Tipp
Mach ein Foto mit viel Himmel und eines mit mehr Boden. Du merkst sofort, wie sich die Stimmung verändert. Schau dabei auch auf einen sauber ausgerichteten Horizont.
4. Kreiere Symmetrie in deinem Bild

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Darum wirkt’s
Die Schließfächer links und rechts führen deinen Blick nach hinten. Die annähernd spiegelgleiche Aufteilung bringt Ruhe und ein klares visuelles Gleichgewicht ins Foto.
Probier’s selbst
Stell dich mittig in einen Flur, vor eine Fassade oder zwischen zwei Baumreihen. Beweg dich ein paar Zentimeter nach links und rechts, bis die Aufteilung für dich passt.
Mein kleiner Tipp
Nutze das Gitternetz deiner Kamera als Hilfe. Kontrolliere die Ränder: Wie viel schneidest du links ab, wie viel rechts? Gerade bei Symmetrie machen kleine Unterschiede viel aus.
5. Nutze nur wenige Farben oder versuche dich in Schwarzweiss

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Darum wirkt’s
Am Adlon fallen dir ohne Farbe vor allem die helle Fassade, die Gebäudekante und die Wolken auf. Die Schwarzweißfotografie macht dieses Spiel mit Hell und Dunkel sichtbar.
Probier’s selbst
Such dir ein Motiv mit klaren Formen und unterschiedlichen Helligkeiten. Schau dir danach eine Farbversion und eine Schwarzweißversion an. Was lenkt dich jeweils ab?
Mein kleiner Tipp
Schwarzweiß rettet nicht automatisch einen unruhigen Ausschnitt. Wenn du lieber in Farbe fotografierst, beschränke dich erst einmal auf zwei oder drei Farben.
6. Mache Nahaufnahmen und nutze das Spiel mit der Tiefenschärfe für einen unscharfen Hintergrund

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Darum wirkt’s
Dein Blick bleibt an der Hummel und den Blüten hängen. Der weiche Hintergrund hält sich zurück. Du musst also gar nicht alles zeigen, um eine kleine Geschichte zu erzählen.
Probier’s selbst
Geh näher ran, ohne die Hummel zu stören, und such einen Hintergrund mit etwas Abstand zum Motiv. Mit einer größeren Blendenöffnung kannst du die Unschärfe verstärken.
Mein kleiner Tipp
Setze den Fokus genau auf dein Motiv. Wird bei offener Blende zu wenig scharf, blende etwas ab. Für bewegte Insekten brauchst du außerdem eine ausreichend kurze Belichtungszeit.
Wenn du bei solchen Übungen noch mit der Technik kämpfst: In meinem Online-Fotokurs für Anfänger erkläre ich dir das Zusammenspiel von Blende, Belichtungszeit und ISO ganz genau. So kannst du dich beim Fotografieren nach und nach mehr auf dein Motiv konzentrieren.
7. Probiere die Langzeitbelichtung und gebe deinen Bildern das verträumte „etwas“

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Darum wirkt’s
Die Wellen werden weich, die Holzpfähle bleiben als feste Formen stehen. Mit der Langzeitbelichtung lässt du Bewegung verschwimmen und bringst Ruhe ins Bild.
Probier’s selbst
Stell deine Kamera stabil auf und vergleiche zum Beispiel 1/4 Sekunde, 1 Sekunde und mehrere Sekunden. Das sind Startwerte zum Testen – wie weich das Wasser wird, hängt auch von den Wellen ab.
Mein kleiner Tipp
Mit den passenden Kameraeinstellungen steuerst du die Wirkung. Probier es in der Dämmerung; bei viel Licht brauchst du für lange Zeiten oft einen Graufilter.
Vielleicht weißt du ja auch ein paar Tipps oder schöne Fotobeispiele, die zu den hier aufgeführten Ideen passen? Dann schicke sie mir gerne oder poste hier den Link zu deinem Bild.
Jetzt bist du dran: Such dir für deinen nächsten Spaziergang nur einen dieser sieben Tipps aus. Wenn du danach Lust auf freiere Versuche hast, probier auch mal die experimentelle Fotografie aus. Du musst nicht gleich alles können – fang mit einem Bild an.
Lars Poeck ist seit über zehn Jahren als selbstständiger Business-Fotograf in Hamburg tätig und arbeitet deutschlandweit für Unternehmen, Selbstständige und Kreative. Sein Fokus: authentische Businessporträts und Bildwelten mit Persönlichkeit – ohne steife Posen.
Auf seinem Fotografieblog ig-fotografie.de vermittelt er seit 2015 praxisnahe Tipps, Schritt-für-Schritt-Anleitungen und Online-Fotokurse für Einsteiger und ambitionierte Hobbyfotografen.
Als Experte veröffentlicht er Fachbeiträge in Medien wie c’t Fotografie und DigitalPHOTO und war Interviewpartner u. a. im ZDF-Magazin „leute heute“ sowie im WDR 5 Morgenecho. Seine fotografischen Arbeiten erscheinen zudem in Zeitungen wie der Preußischen Allgemeinen Zeitung und dem Tagesspiegel.
Er ist Autor mehrerer Fotografie-Ratgeber, darunter „Kreative Foto-Aufgaben für jeden Tag“ (Humboldt Verlag). Seine Bücher werden auf Amazon vielfach positiv bewertet.
Als Fototrainer ist er regelmäßig auf Messen und Events wie der Autorinnenrunde der Leipziger Buchmesse, dem DVF-Jugendtreff, der photo+adventure, den Laupheimer Fototagen und der Berlin Photo Week vertreten.


Danke Lars,
für Deine Tips. Die meisten kenne ich natürlich bereits aus Deinem 12 Wochen-Kurs. Aber es ist für mich auch wichtig immer mal wieder darauf hingewiesen zu werden und beim Fotografieren daran zu denken.
Gruß Günter