Die meisten hören genau hier auf.
Obwohl sie eigentlich kurz davor sind, richtig gut zu werden.
Das klingt erstmal wie einer dieser typischen Motivationssätze.
Aber wenn man ehrlich ist, steckt da etwas drin, das viele übersehen.
Nicht, weil es kompliziert ist.
Sondern weil es leise passiert.
Am Anfang ist alles schwer
Und das ist völlig normal

Gerade in der Fotografie merkt man das schnell.
Am Anfang wirkt alles gleichzeitig wichtig:
Blende, Belichtungszeit, ISO, Fokus, Perspektive.
Du probierst aus, drehst an Einstellungen, schaust dir Bilder an – und oft fühlt es sich trotzdem nicht so an, wie du es dir vorgestellt hast.
Mal ist das Bild zu dunkel.
Mal unscharf.
Mal einfach… nicht das, was du gesehen hast.
Und dann kommt dieser Vergleich.
- Andere Bilder wirken klarer
- Andere haben „irgendwas“, das dir fehlt
- Andere scheinen genau zu wissen, was sie tun
Und irgendwann denkst du:
„Vielleicht bin ich einfach nicht gut darin.“
Genau hier hören die meisten auf
Nicht am Anfang – sondern mittendrin
Nicht, wenn alles neu ist.
Sondern wenn es anfängt, anstrengend zu werden.
Wenn du merkst, dass Fotografie mehr ist als nur Technik – aber sich noch nicht leicht anfühlt.
Das ist diese Phase:
- Du kennst die Fotografie-Grundlagen
- Aber sie sind noch nicht selbstverständlich
- Deine Bilder sind besser als am Anfang – aber noch nicht so, wie du sie willst
Und genau hier steigen viele aus.
Dabei ist diese Phase entscheidend. Auch aus psychologischer Sicht.
Dass sich Fortschritt hier oft kaum sichtbar anfühlt, ist kein Zufall. Im Gegenteil: Studien zum Goal Gradient Effect zeigen, dass Motivation und Einsatz häufig dann zunehmen, wenn wir einem Ziel näherkommen. Genau diese Strecke – zwischen „ich kann die Grundlagen“ und „ich fühle mich wirklich sicher“ – ist oft die wichtigste Lernphase.
Fortschritt passiert leise
Und genau deshalb übersieht man ihn

Was viele in diesem Moment nicht sehen:
Der Fortschritt hat längst begonnen.
Nur zeigt er sich nicht in perfekten Bildern.
Sondern in kleinen Veränderungen.
Zum Beispiel:
- Du denkst nicht mehr aktiv über jede Einstellung nach
- Du merkst schon beim Fotografieren, ob ein Bild funktionieren wird
- Du siehst Licht bewusster – nicht nur das Motiv
Und auch deine Fehler verändern sich.
Am Anfang ist ein Foto einfach „nicht gut“.
Jetzt kannst du sagen, warum.
Zu unruhig.
Der Fokus sitzt falsch.
Das Licht passt nicht.
Und genau das ist der Punkt, an dem sich etwas verschiebt.
Die Wahrheit, die viele übersehen
Wenn du siehst, was nicht funktioniert, bist du schon weiter
Das ist der Moment, den viele falsch einordnen.
Wenn du ein Bild anschaust und denkst:
„Das ist noch nicht gut“ – dann ist das kein Rückschritt.
Das ist Entwicklung.
Denn genau hier passiert etwas, das in der Psychologie gut beschrieben ist:
Wer Fehler nicht nur als Scheitern sieht, sondern als genauere Wahrnehmung, entwickelt ein stärkeres Gefühl von Selbstwirksamkeit – also das Vertrauen, Dinge beeinflussen und verbessern zu können.
Du siehst nicht nur das Ergebnis.
Du verstehst es.
Und das bedeutet:
Du bist besser geworden.
Dranbleiben ist kein Nebenthema
Es ist ein Teil des Fortschritts
Diese Phase fühlt sich oft zäh an.
Du gibst dir Mühe.
Du übst.
Und trotzdem wirkt es nicht so, als würde sich viel verändern.
Genau hier entscheidet sich, ob du weitermachst.
Und auch das ist gut belegt:
Frustrationstoleranz – also die Fähigkeit, trotz Frust dranzubleiben – steht in direktem Zusammenhang mit späterer Leistung und Entwicklung.
Oder einfacher gesagt:
Es gehört dazu.
Egal, was du fotografierst
Das Prinzip bleibt gleich
Ob Landschaft, Porträt oder Alltagsszenen:
Der Weg verläuft ähnlich.
- Am Anfang geht es um Technik
- Dann kommt die Phase des Zweifelns
- Und irgendwann verändert sich dein Blick
Vielleicht merkst du es daran, dass du bewusster komponierst.
Dass du Licht gezielter einsetzt.
Oder dass du Motive siehst, die dir früher entgangen wären.
Nicht, weil du plötzlich „mehr kannst“.
Sondern weil du anders hinschaust.
Du bist mitten im Prozess
Du bist nicht mehr am Anfang.
Auch wenn es sich manchmal so anfühlt.
Du bist genau in dieser Phase, in der sich etwas verändert.
Leise. Schritt für Schritt. Bild für Bild.
Und vielleicht ist genau jetzt ein guter Moment, dich zu fragen:
Woran hast du gemerkt, dass du besser geworden bist?
Vielleicht war es dieses eine Bild, bei dem plötzlich mehr zusammengepasst hat.
Oder dieser Moment, in dem du bewusst auf das Licht geachtet hast – und nicht nur auf das Motiv.
Nicht perfekt.
Aber ein Stück weiter als gestern.
Lars Poeck ist seit über zehn Jahren als selbstständiger Business-Fotograf in Hamburg tätig und arbeitet deutschlandweit für Unternehmen, Selbstständige und Kreative. Sein Fokus: authentische Businessporträts und Bildwelten mit Persönlichkeit – ohne steife Posen.
Auf seinem Fotografieblog ig-fotografie.de vermittelt er seit 2015 praxisnahe Tipps, Schritt-für-Schritt-Anleitungen und Online-Fotokurse für Einsteiger und ambitionierte Hobbyfotografen.
Als Experte veröffentlicht er Fachbeiträge in Medien wie c’t Fotografie und DigitalPHOTO und war Interviewpartner u. a. im ZDF-Magazin „leute heute“ sowie im WDR 5 Morgenecho. Seine fotografischen Arbeiten erscheinen zudem in Zeitungen wie der Preußischen Allgemeinen Zeitung und dem Tagesspiegel.
Er ist Autor mehrerer Fotografie-Ratgeber, darunter „Kreative Foto-Aufgaben für jeden Tag“ (Humboldt Verlag). Seine Bücher werden auf Amazon vielfach positiv bewertet.
Als Fototrainer ist er regelmäßig auf Messen und Events wie der Autorinnenrunde der Leipziger Buchmesse, dem DVF-Jugendtreff, der photo+adventure, den Laupheimer Fototagen und der Berlin Photo Week vertreten.

