10 Nachtfotografie Tipps und Tricks für bessere Bilder

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Nachfotografie und Langzeitbelichtung beeindruckt mich sehr. Da merke ich: Fotografie ist Licht und Schatten. Doch welche Kamera-Einstellungen solltest du verwenden bei Langzeitbelichtung, Nachtfotografie und Aufnahmen mit wenig Licht? Hier habe ich dir ein kleines Nachtfotografie Tutorial zusammengestellt mit ein paar Nachtfotografie Tipps und Tricks aus meinen Erfahrungen, mit denen ich mir die Nächte um die Ohren schlage. Ich bin gespannt wie deine Erfahrungen auf dem Weg durch die Dunkelheit sind. Ich freu mich auf dein Feedback.

Festival of Lights 2014 Berlin
Der Berliner Dom zum Fesitval of Lights: 18mm, ISO 100, 4 Sekunden, f/2.5

10 Nachtfotografie Tipps für bessere Fotos:

1. Verwende ein Stativ

Es kommt so selten bei mir zum Einsatz. Doch nachts darf ich es endlich mal auspacken: Das Stativ. Denn nichts ist wichtiger als eine ruhige Kamera. Und dafür merke dir immer den Kehrwert aus Brennweite und Belichtungszeit (z.B. 200mm kann man noch mit 1/200sek aus der Hand halten; 50mm mit 1/50 sek etc. So wird dir schnell bewusst: bei Belichtungszeiten von 1 Sekunden und länger kannst du nichts mehr aus der Hand halten! 

Bei Stativen muss es auch nicht gleich ein super teures sein. Meines war ein relativ günstiges und reicht mir völlig. Schaut einfach mal im Fotoladen eures Vertrauens oder bei Amazon im Kamerazubehör nach Dreibein-Stativ. Alternativ kannst du auch die Kamera irgendwo auf eine stabile Unterlage platzieren. Doch bist du mit einem guten Stativ flexibler.

Tipp: Wenn euer Objektiv eine Bildstabilisator hat, diesen bei Nachtfotografie mit Stativ unbedingt ausschalten/deaktivieren! Denn sonst stabilisiert der Bildstabilisator ein stabiles Bild. Wäre ja quatsch und führt ungewollt zu unschärfe!

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Die Froschperspektive verzerrt die Welt. Du blickst von unten nach oben – alles erscheint größer und mächtiger. Dafür empfiehlt sich ein Mini-Stativ!

2. Kabelauslöser, Fernauslöser oder Timer

Du hast alles hübsch aufgebaut, den Bildausschnitt gewählt und trotzdem ist es verwackelt? Klar, jede Hand an der Kamera bringt Erschütterung ins Bild. Also verwende einen Fernauslöser (für einige Kameras gibt es auch Smartphone-Apps, über die du diese auslösen kannst), verwende den Timer (ich bin immer ungeduldig und verwende 2 Sekunden ab Auslöser drücken) oder verwende Kabelauslöser. Egal wie du es machst. Wenn das Bild gemacht wird: Hände weg von der Kamera und bediene dich eines eines dieser super Hilfsmittel, um Verwacklungen zu vermeiden.

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Der Nachthimmel über Afrika

3. Gehe in den Langzeitmodus

Nachfotografie und Langzeitbelichtung ist nichts für ungeduldige. Normalerweise kannst du so ca. bis zu einer 1/50 Sekunde aus der Hand halten. Aber du verwendest jetzt ja ein Stativ. Also belichten wir den Sensor je nach Restlicht um dich herum bis zu 30 Sekunden oder sogar noch länger im so genanten Bulb-Modus. Der Begriff Bulb kommt aus der Historie der Fotografie und bezeichnet ben Blasebalg, mit dem früher Langzeitbelichtungen gemacht wurden. Um diesen zu betätigen, benötigst du aber unbedingt einen Fern- oder Kabelauslöser. Den gibt es sicher auch für deine Kamera. Hier findest ein paar der gängigen Fernauslöser-Modelle für deine Kamera.

4. Halte den ISO-Wert möglichst niedrig

Viele neue Kameras protzen mit ISO-Werten im hohen tausernder Bereich. Meine alte Canon 550d hat das nicht. Naja, ich kann da schon bis 6400 ISO hoch drehen, aber spätestens ab ISO 800 habe ich bei schwarzen Flächen (und davon gibt es viele in der Nacht) ein unerträgliches Rauschen. Also versuche ich das lieber über die Belichtungszeit auszugleichen, in dem ich länger Licht auf den Sensor lasse statt den ISO-Wert hoch zu schrauben. Das Ergebnis: Schärfere Bilder!

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5. Verwende den Spiegel Lock

Jede Digitale Spiegelreflexkamera klappt beim Foto den Spiegel um. Deswegen ist es ja eine DSLR. Aber bei meiner Kamera gibt es zum Beispiel den Live View Modus und da klappt der Spiegel schon vorher und bringt somit weniger Erschütterungen in die Kamera. Kann ich nur empfehlen.

Interview Simon Markhof
Aus der Serie “Into the Night”, Foto (c) Simon Markhof

6. Verwende eine schnelle Speicherkarte

Da habe ich meiner alten Canon unrecht getan. Bei Nachtaufnahmen habe immer einige Sekunden warten müssen und gedacht: “Alter, was rechnest du denn so lange? Mir ist kalt!”. Als ich dann letztens eine Sony Alpha 7 ausgeliehen hatte, hat die Kamera noch viel länger gerechnet. Wieso das? Weil die Hauptleistung in dem Moment der Schreibprozess auf deine Speicherkarte ist. Und dazu lohnt der Blick auf die Speicherkarte. Wie schnell kann diese Schreiben und Lesen. Und da tun sich manchmal Welten auf. Wer dazu mehr Infos benötigt, sollte durchaus mal nach schnelleren Speicherkarten für seine Kamera stöbern.

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Nachtfotografie auf der Museumsinsel in Berlin

7. Verwende eine kleine Blende = einen hohen Blendenwert

Es kommt natürlich ganz auf das Motiv an. Aber solange du keine Portraits in der Nacht fotografieren willst, würde ich empfehlen in höhere Blendenwerte ab f/5.6 zu gehen. Die schärfsten Blende an den meisten Objektiven ist übrigens oft f/8 oder f/11. Klar, je höher der Blendenwert (also desto kleiner die Blende), desto weniger Licht kommt auf deinen Sensor. Das gleichst du ja durch die längere Belichtung aus. Für mich ist die Schärfentiefe im Bild wichtig. Ich möchte das gesamte Bauwerk scharf haben und nicht den Turm im Vordergrund. Probiere einfach mal ein wenig rum.

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Ausnahmen bestätigen die Regel: Nachts mit kleiner Blende liefert ein tolles Bokeh

8. Fokussiere auf unendlich

Das Fokussieren in der Nacht finde ich immer wieder schwierig. Übrigens: Eine Taschenlampe kann da helfen, den Ort des Geschehens anzuleuchten während des Fokussieren. Je nach Kamera kurbelt die Automatik sich da immer einen zurecht, um dann schlussendlich doch unscharf zu sein. Ich löse das oft über das Umschalten in den Live-View Modus. Dann zoome ich mich tief ins Bild und fokussiere manuell (dafür am Objektiv den Autofokus abschalten!). Das Ergebnis sind klare, scharfe Fotos. Herrlich!

9. Na, manchmal darf es auch ein höherer ISO-Wert sein

Ja, ja – ich weiß. Nicht immer willst du ein ewig verschwommes Menschentreiben, ein nicht zu erkennendes Schiff auf dem Kanal oder ähnliches auf dem Bild haben. Um schnelle Momente einzufangen, gehe mit dem ISO-Wert hoch und dann kannst du auch mit der Belichtungszeit runter gehen. Aber beschwere dich nicht über Rauschen.

Nachtfotografie Tipps Rom-Engelsburg
Die Engelsburg in Rom, fotografiert mit f/10, ISO 100, 18mm, 8 Sekunden

10. Was sagt dir dein Histogramm?

Es ist dunkel, es ist kalt und du kannst wenig sehen. Du brauchst also einen Co-Pilot an deiner Seite. Das ist dein Histogramm. (Mehr zum Thema Histogramm findest du auch in meinem Beitrag zum Thema High-Key und Low-Key Fotografie). Das Histogramm zeigt dir: Ist alles gut belichtet, ist es überbelichtet oder unterbelichtet.

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Dein Nacht-Sichtgerät: das Histogramm!

Du möchtest kein Absaufen um Schwarzen Meer und auch kein ausbrennen aller Lichter. Daher prüfe das Histogramm, ob alles im Rahmen ist. HDR kann dir auch eine Hilfe sein bei solch schlechten Lichtverhältnissen. HDR-Bilder sind aber Geschmackssache. Und zwar meine nicht.

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Lappland und Polarlicht – ohne Frage einer der wundervollsten Orte für nächtliche Kunstwerke

Ein Objektiv-Tipp für tolle Nachtaufnahmen

Auf meinem New York Foto-Trip habe ich viel mit dem Canon EF 17-40mm fotografiert. Hat Spaß gemacht. Hier eine kurze Video-Review zu dem Objektiv-Tipps für tolle Nachtaufnahmen.

 

Und jetzt raus in die Nacht!

Wie so vieles heißt es auch bei der Disziplin Nachtfotografie: Übung macht den Meister – egal wie viele Nachtfotografie Tipps du liest. Sei kreativ, es muss nicht immer das Haus vor deiner Nase sein. Setzt Objekte in den Vordergrund, laufe bei 30 Sekunden Belichtungszeit mal durchs Bild, stelle dich mit einem hellen Smartphone Display vor die Linse und fuchtele wild umher (Stichwort Lightpainiting). Es gibt viel zu entdecken in der Langzeitbelichtung. 

Wenn dir das Thema Langzeitbelichtung und Nachtfotografie Spaß macht, dann schau doch auch mal die Themen Feuerwerk Fotografie Tipps oder das Interview mit dem Fotografen Simon Markhof zum Thema Langzeitfotografie an.


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5 comments

  1. Super tolle Tipps. Ja, ein höherer ISO-Wert ist wichtig bei Nachaufnahmen, man muss aber nicht übertreiben, sonst leidet die Qualität der Bilder. Was den Langzeitmodus betrifft, finde ich auch, dass es nur noch mit einem Stativ gut klappt.

     
  2. Moin,

    > “Alter, was rechnest du denn so lange? Mir ist kalt!”. Als ich dann letztens eine Sony
    > Alpha 7 ausgeliehen hatte, hat die Kamera noch viel länger gerechnet. Wieso das?

    Das liegt meiner Meinung nach nicht an der Speicherkarte. Ich habe “nur” eine A6000 und die macht nach Langzeitaufnahmen zusätzlich eine gleich lang belichtete Aufnahme des geschlossenen Shutters. Dieses Schwarzbild wird dann vom eigentlichen Bild abgezogen um das Rauschen zu verringern.
    Bei 8s Belichtungszeit folgt danach auf dem Bildschirm also 8s “Verarbeitung” – sehr lästig. Es gab eine Einstellung um das zu verhindern – dann muss man aber selbst dafür sorgen, dass das Rauschen sich nicht so auswirkt (selbst ein Schwarzbild später abziehen).

     

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