Negative Space (deutsch: negativer Raum) bezeichnet in der Fotografie jenen Bereich, der nicht mit Hauptmotiv gefüllt ist. Er verstärkt das Motiv, schafft Balance und lenkt den Blick gezielt. In diesem Artikel lernst du die Theorie dahinter, praktische Einsatzmöglichkeiten, Beispiele & typische Fehler – plus Tipps, wie du negative space gezielt in deinen Bildern einsetzt.
Aber nochmal einen Schritt zurück: Du siehst ein beeindruckendes Foto und fragst dich, warum es so gut aussieht, obwohl scheinbar so wenig darauf zu sehen ist. Genau hier wird die Magie des negativen Raums in der Fotografie greifbar! Es war genau dieses „Nichts“, das mich, als ich meine ersten Schritte in der Fotografie machte, total faszinierte.
Was ist dieser „negative Raum“ eigentlich?
Die erste Frage, die dir dazu in den Sinn kommen mag: „Was ist ein negativer Raum in der Fotografie genau?“ Stell dir vor, das Hauptmotiv deines Bildes ist wie der Hauptdarsteller in einem Film, und der Gegenspieler ist die stille, aber bedeutungsvolle Musik im Hintergrund.

Dieser Bereich, oft auch als „Leerraum“ bezeichnet, wird in der Kunst als „negativer Raum“ benannt (bzw. aus dem englischen „negative space„). Es ist der Raum, der das Hauptmotiv umgibt und nicht mit Details gefüllt ist.
Die Bedeutung des negativen Raums
„Warum ist der negative Raum in der Fotografie so wichtig?“, fragst du dich vielleicht. Ganz einfach: Er gibt unseren Augen eine „Pause“, einen Ort, wo sie ruhen können.
Er hilft, das Hauptmotiv hervorzuheben und eine bestimmte Atmosphäre oder Stimmung zu erzeugen. Es ist wie in einem guten Buch: Die Pausen zwischen den Worten sind genauso wichtig wie die Worte selbst.
Den Gestaltungs erkennen und gewähren lassen
Aber „Wie kann ich den negativen Raum effektiv in meinen Bildern nutzen?“, war eine der häufigsten Fragen, die mir in meinen Fotokursen zu diesem Thema gestellt werden.
Der Schlüssel ist, den Raum um das Hauptmotiv herum bewusst wahrzunehmen.

Einfache Tipps für den Einstieg
- Fokussiere dich auf Einfachheit:
Suche nach einfachen Hintergründen, die dein Hauptmotiv hervorheben. - Verwende die Regel der Drittel:
Teile das Bild gedanklich nach der Drittelregel auf. Platziere das Hauptmotiv an einem der Schnittpunkte und lasse den Rest frei.
Typische Anfängerfehler
Oft habe ich einfach nur leeren Raum hinzu genommen, ohne dass es eine Bedeutung hatte.
„Wie vermeide ich, dass mein Bild durch zu viel negativen Raum ‚leer‘ oder ‚langweilig‘ wirkt?„, war eine Frage, die ich oft hörte.
Der Bereich sollte immer absichtlich und im Dienst des Hauptmotivs verwendet werden, nicht nur um „Luft“ im Bild zu haben.
Klar, das ist eine feine Linie und es bedarf viel ausprobieren. Aber mit der Zeit wirst du ein Gefühl dafür bekommen und merken, was dir gut gefällt und wo es vielleicht auch zuviel ist.
Wann und wo den negativen Raum nutzen?




„Gibt es bestimmte Situationen, in denen ich den negativen Raum meiden sollte?“, habe ich oft gedacht. Es gibt keine feste Regel dafür, wann man ihn nutzen sollte. Aber denk daran, dass es besonders gut funktioniert, wenn du eine Stimmung erzeugen oder das Auge des Betrachters auf einen bestimmten Punkt lenken möchtest.
Verbesserung in der Nachbearbeitung
Mit verschiedenen Tools und Techniken in Bildbearbeitungsprogrammen, insbesondere mit dem Cropping-Tool, lässt sich der negative Raum gezielt gestalten und betonen, um dem Bild eine tiefere Dimension und Faszination zu verleihen.
Hier sind drei Tipps zur Ausführung:
Bewusstes Zuschneiden (Cropping):
Durch das Zuschneiden eines Bildes kann man den Fokus stärker auf das Hauptmotiv legen und gleichzeitig den negativen Raum vergrößern oder reduzieren. Dabei sollte man darauf achten, dass dieser das Hauptmotiv sinnvoll ergänzt und nicht davon ablenkt.
Helligkeit und Kontrast anpassen:
Manchmal hilft es, den Kontrast oder die Helligkeit des negativen Raums anzupassen, um das Hauptmotiv stärker hervorzuheben. Ein dunklerer Hintergrund beispielsweise kann dazu führen, dass ein helles Hauptmotiv stärker ins Auge sticht.
Verwenden von Filtern und Effekten:
In einigen Bildbearbeitungsprogrammen kann man gezielt Filter oder Effekte auf den Bereich anwenden, ohne das Hauptmotiv zu beeinflussen. Ein weicher Verlauf oder eine Vignettierung können dazu beitragen, den Blick des Betrachters auf das Hauptmotiv zu lenken und den negativen Raum subtil zu betonen.
Mit diesen Techniken können Fotografen den negativen Raum ihrer Bilder in der Postproduktion gezielt gestalten und ihre Botschaft noch eindrucksvoller übermitteln.
Die richtige Balance finden
Wie bei so vielen Dingen in der Kunst und in der Fotografie geht es beim negativen Raum darum, die richtige Balance zu finden. Es ist wie beim Kochen: Ein bisschen Salz kann das Essen aufpeppen, aber zu viel kann es ruinieren. Also, experimentiere, habe Spaß und finde deine eigene Balance!
Mit diesem Wissen bist du bereit, dich auf die Suche nach dem perfekten negativen Raum in deinen eigenen Fotografien zu machen!
Lars Poeck – Business-Fotograf, Buchautor & Fototrainer
Lars Poeck arbeitet seit über 10 Jahren als selbstständiger Business-Fotograf in Hamburg, Berlin und deutschlandweit. Auf seinem Fotografieblog ig-fotografie.de vermittelt er seit 2015 praxisnahe Lerninhalte rund ums Fotografieren – mit verständlichen Tipps, Schritt-für-Schritt-Anleitungen und Online-Fotokursen für Einsteiger und ambitionierte Hobbyfotografen.
Seine Fachartikel erscheinen u. a. in c’t Fotografie und DigitalPHOTO. Zudem ist berichtet er in Formaten wie ZDF „leute heute“ oder dem WDR 5 Morgenecho über Lieblingsthemen wie Lost Places oder Porträtfotografie und freut sich über Veröffentlichungen in Zeitungen wie der Preußischen Allgemeinen Zeitung und dem Tagesspiegel.
Lars Poeck ist Autor mehrerer Fotografie-Ratgeber, darunter „Kreative Foto-Aufgaben für jeden Tag“ (Humboldt Verlag). Seine Bücher sind auf Amazon vielfach mit 5 Sternen bewertet und werden auf vielen Fotoseiten positiv rezensiert.
Als Fototrainer ist er gerne auf Messen und Events wie der Autorinnenrunde der Leipziger Buchmesse, dem DVF-Jugendtreff, photo+adventure, den Laupheimer Fototagen oder der Berlin Photo Week zu Gast.


Hallo Lars,
der Artikel hat mir sehr gefallen. Nicht zu lang und doch alles drin, damit ich loslegen kann.
Danke dafür und viele Grüße
Frank
Danke, Frank. Das freut mich!