Brennweite Kamera: Tipps und Erklärung

Brennweite – einfach erklärt: Warum die richtige Brennweite über gute und schlechte Fotos entscheidet

Als Fotograf solltest du mit der Wirkung der richtigen Brennweite vertraut sein. Denn sie hat einen entscheidenden Einfluss auf die Bildkomposition. Die Brennweite ermöglicht es, den Bildausschnitt zu verändern und den Fokus auf bestimmte Bereiche im Bild zu legen. Kein Geringerer als Stephen Shore hat die Idee der Wahl der Brennweite auf den Punkt gebracht: “Ich wollte Bilder machen, die sich natürlich anfühlen, die so wirken wie das Sehen selbst, die nicht wie das Aufnehmen eines Objekts aus der Welt und das Schaffen eines Kunstwerks daraus wirken.” Und auch bei einem Fotografen wie einem Paul Ripke gibt es Gründe, die neben der Perspektive zu diesem “ich bin mitten drin” Gefühl beitragen – nämlich seine Brennweite. In diesem Artikel möchte ich dir alles erklären, was du über die Brennweite wissen musst.

Was ist die Brennweite?

Foto: dlxmedia.hu/unsplash

Die Brennweite ist ein Maß für den Abstand zwischen dem Objektiv und dem Sensor oder Film in deiner Kamera. Je nach Brennweite verändert sich der Bildausschnitt, den du in die Kamera bekommst. Eine kurze Brennweite (Weitwinkel) ermöglicht einen großen Bildwinkel, während eine lange Brennweite (Tele) einen engen Bildausschnitt ergibt. Verschiedene Brennweiten bieten unterschiedliche Perspektiven und eignen sich für verschiedene Anwendungen.

Was sind gängige Brennweiten?

Für jede Brennweite gibt es ihre Einsatzbereiche, die je nach Situation und Art der Fotografie verwendet werden. Frage einen Landschaftsfotografen, einen Portraitfotografen oder einen Tierfotografen – und du wirst 3 verschiedene Antworten bekommen.

Hier trotzdem einige der gängigsten Größen. Dabei ist es wichtig zu beachten, dass die tatsächlichen Brennweiten je nach Kamera und Sensorgröße variieren können. Auch persönliche Vorlieben und künstlerische Entscheidungen können die Wahl der Brennweite beeinflussen.

8-15 mm = Superweitwinkel (Fisheye)

Diese Perspektive sieht verzerrt aus, wobei gerade Linien gekrümmt erscheinen. Sie eignet sich hauptsächlich für übertriebene oder lustige Fotos.

15-35 mm = Weitwinkel

Im Weitwinkel noch sehr extrem, bietet es bei guter Qualität einen tollen Effekt für die Landschaftsfotografie, Inneneinrichtungen oder Architekturfotografie.

35-70 mm = Normalobjektiv

Dieses Objektiv kommt im Fotojournalismus, bei Reportagen oder Porträts zum Einsatz. In diesem Brennweitenbereich fühle ich mich sehr wohl und das 50mm gehört zu meinen bevorzugten Objektiven.

70-200 mm = Teleobjektiv

Mit einem 85-mm-Festbrennweite-Objektiv bin ich oft unterwegs insbesondere bei meinen Businessfotos als Fotograf in Berlin. Auch habe ich einen 70-200-mm-Zoom. Der ist schwer und sperrig, also überlege ich vorher, wann er passt. Aber gerade für die Porträtfotografie, Hochzeit oder Sport ist er cool.

200-1200 mm = Supertele

Hier wird es teuer und schwer. Daher sind diese Teleobjektive am ehesten in der Natur-/Tierfotografie oder auch Sportfotografie zu finden. In diesen Brennweiten ist eine gute Lichtstärke besonders wichtig, damit die Belichtungszeit auch mithalten kann.

Wo stelle ich die Brennweite ein?

Die Brennweite ist meistens auf dem Objektiv deiner Kamera zu finden – jedenfalls bei Systemkameras und Spiegelreflexkameras mit Wechselobjektiv. Sie wird in Millimetern angegeben und kann auf dem Objektivring eingestellt werden. Wenn du eine digitale Kompaktkamera mit einem Zoomobjektiv besitzt, so kannst du die Brennweite möglicherweise auch über die Knöpfe an deiner Kamera, einem kleinen Drehrädchen oder (wenn du gerne mit dem iPhone fotografierst) über einen Schieberegler auf dem Touchscreen variieren.

Welche Brennweite hat unser menschliches Auge?

Man sagt, dass 50mm ungefähr unserem menschlichen Sichtfeld entspricht. Doch blenden wir dabei schon sehr viel aus, was wir zwar sehen, aber unterbewusst ausblenden. Daher würde ein Weitwinkel-Objektiv von 20mm dem menschlichen Auge näher kommen. 

Wichtig: Unser Auge hat keinen Zoom – unser Unterbewusstsein schon. Da sind wir durchaus in der Lage, sehr viel auszublenden. Das sollten wir immer im Kopf behalten, wenn wir uns mit dem Sehen lernen und dem fotografischen Blick beschäftigen.

Optischer und digitaler Zoom: Vorsicht bei der Wahl der Brennweite

Der optische und digitale Zoom sind zwei verschiedene Methoden, um ein Bild heranzoomen und die Brennweite zu variieren. Dabei ist es wichtig zu verstehen, dass der optische Zoom durch das Verschieben von Linsen im Objektiv erreicht wird, während der digitale Zoom (lediglich) durch eine Vergrößerung des Bildausschnitts im Kamerachip erreicht wird.

Der optische Zoom bietet also eine höhere Bildqualität, da er die tatsächlichen Objekte im Bild vergrößert. Der digitale Zoom hingegen vergrößert einfach den Bildausschnitt und kann daher zu einer Verringerung der Bildqualität führen, da das Bild interpoliert wird. Es ist wichtig zu beachten, dass digitale Zooms oft als Marketinggag verwendet werden, um Kameras mit hohen “Zoomfaktoren” zu bewerben. Dies bedeutet jedoch nicht unbedingt eine höhere Bildqualität.

Ein weiteres Risiko des digitalen Zooms ist, dass er oft zu einem Verlust von Details und Schärfe führt. Je weiter man in ein Bild hinein zoomt, desto unschärfer werden die Details und der Bildrauschen kann zunehmen.

Es ist daher für dich unbedingt ratsam, den optischen Zoom gegenüber dem digitalen Zoom zu bevorzugen, um eine höhere Bildqualität und mehr Details zu erhalten. Wenn ein digitaler Zoom notwendig ist, solltest du ihn sehr sparsam einsetzen und auf eine angemessene Auflösung achten, um eine gute Bildqualität zu erhalten. Sonst hast du später das böse Erwachen.

Bildkomposition und Brennweite

Wie schon erwähnt, hat die richtige Brennweite einen großen Einfluss auf deine Bildkomposition. Eine kurze Brennweite eignet sich gut für Landschaftsfotografie oder Gruppenbilder, da sie einen großen Bildwinkel ermöglicht. Bei Porträts empfehle ich in der Regel immer eine längere Brennweite, da sie das Gesicht deines Models in den Fokus rückt und den Hintergrund in der Unschärfe ausblenden lässt. 

Brennweite und Kompression

Kompression per Brennweite in der Fotografie
Ein wundervoller Aha-Effekt in meinem Online-Fotokurs ist immer das Thema Kompression per Brennweite.

Ich persönlich finde die Kompression eines Motivs einen faszinierenden visuellen Effekt. Durch die Verwendung einer längeren Brennweite kann man Objekte und Motive in den Vordergrund rücken und sie vom Hintergrund abheben. Der Hintergrund erscheint durch die Kompression näher und größer, was eine interessante Tiefenwirkung erzeugen kann. Besonders bei der Porträtfotografie kann die Kompression genutzt werden, um den Fokus auf das Motiv zu lenken und den Hintergrund unscharf erscheinen zu lassen.

Allerdings ist es wichtig zu beachten, dass die Kompression auch dazu führen kann, dass das Motiv flacher oder weniger plastisch wirkt, je nach gewünschtem Effekt und Stil des Fotografen. Deshalb empfehle ich immer, mit verschiedenen Brennweiten zu experimentieren, um den gewünschten Effekt zu erzielen. Letztendlich ist die Wahl der Brennweite eine kreative Entscheidung, die von persönlichem Geschmack und der gewünschten Stimmung des Bildes abhängt.

Crop-Faktor

Foto: Alexander Andrews/unsplash

Wenn du eine Kamera mit einem kleineren Sensor als das klassische Kleinbildformat besitzt, solltest du den Crop-Faktor beachten. Der Crop-Faktor beschreibt das Verhältnis zwischen der Größe des Sensors und der des Kleinbildformats. Durch den Crop-Faktor wird die tatsächliche Brennweite verändert. So hat beispielsweise eine Brennweite von 50mm an einer Kamera mit einem Crop-Faktor von 1,5 eine tatsächliche Brennweite von 75mm.

Umrechnungsfaktors in Cropfaktor:

Brennweite berechnen: Welcher Sensor ergibt welche Brennweite?

SensortypCropfaktorAbbildung bei 50mm Brennweite
Vollformat-Sensor150mm
APS-C-Sensor1,5 – 1,675mm – 80mm
Micro-Four-Thirds-Sensor2100mm
Mittelformat-Sensorvariiertvariiert
1-Zoll-Sensor2,7 – 3,0135mm – 150mm
Handy-Sensorvariiertvariiert
Beispielhaft gerechnet für eine 50mm Brennweite

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