Streetfotografie in Berlin: Alltägliches einfangen

Streetfotografie Tipps: Die häufigsten Fragen und besten Inspirationen

Streetfotografie ist oft mühsam. Nicht, dass andere Fotografie-Formen nicht auch ein mühsamer Weg sind hin zum guten Bild. Doch war meine Ausbeute zum Thema Streetfotografie mir oftmals ein Stück zu gewöhnlich – zu beliebig. Ich hatte keinerlei Kontrolle über das Streetfotografie-Motiv. Vielleicht ist oder soll das der Reiz sein? Ich lief allzuoft etwas planlos umher auf der Suche nach dem geeigneten Motiv, Bildausschnitt oder der kleinen Ironie im Bild. Aber dabei habe ich eine Sache völlig übersehen – Dinge, die selbstverständlich sind und die ich somit immer wieder einfach übersehe. Auf der Suche nach den spektakulären Motiven übersehe ich das alltägliche.

So häufig habe ich in meiner Anfangszeit in Berlin gehört: „Ich mache Streetfotografie„. „Cool„, dachte ich mir. Kann ja so schwer nicht sein und ging los. Ich schaute anschließend durch meine Ausbeute und entdecke nur Schnappschüsse. Es ist eben noch ein langer Weg zu Fotos wie die großen der Streetfotografie Eric Kim oder Bruce Gilden sie machen.

Oder etwas nicht? Hier habe ich dir ein paar meiner liebsten Streetfotografie-Tipps und Anleitungen für die kreative Inspiration für deinen nächsten Streetfotografie Fotowalk aufgeschrieben.

Doch vorab möchte ich dir einen kleine Geschichte erzählen. Denn sie passt so wundervoll zum Thema Streetfotografie. Eine Geschichte über Dinge, die wir für selbstverständlich halten. Denn wir verlieren oft den Blick auf das Schöne und das Wunderbare, das uns täglich umgibt.

Ein Mann sitzt mit seinem 17-jährigen Sohn im Zug. Mit großen Augen schaut der junge Mann aus dem Fenster und fragt:

Papa, ist das eine Kuh?“ Der Vater lächelt und antwortet: „Ja, mein Sohn.“ Aufgeregt spricht der Junge weiter: „Papa, diese Blume ist eine Sonnenblume, oder?“ Die Antwort lautet wieder: „Ja, mein Sohn.

Viele weitere Fragen folgen: „Papa, ist das ein Lastwagen? … eine Tanne? … ein Hubschrauber? … ein hoher Berg …?“ Stets folgt dieselbe Antwort:

Ja, mein Sohn.

Zwischendurch zeigt der Vater in eine Richtung und sagt: „Schau, mein Sohn, der Vogel ist ein Bussard, dieser Baum ist eine Eiche und dort ist ein Rapsfeld …

Ein Fahrgast, der den beiden gegenübersitzt, spricht den Vater nach einer Weile an:

Bei allem Respekt, das Verhalten Ihres Sohnes ist doch sehr merkwürdig.“ Gespreizt weist er ihn darauf hin, dass es heutzutage doch sehr gute Kliniken für Fälle „wie diesen“ gäbe und die Medizin in alle Richtungen große Fortschritte mache.

Der Vater unterbricht ihn:

Wie recht Sie doch haben!“, ruft er und fährt freundlich fort: „Von solch einer Fachklinik kommen wir gerade. Mein Sohn hat vor zwölf Jahren sein Augenlicht verloren und kann seit wenigen Tagen wieder sehen.

Sichtlich beschämt senkt der Mann den Blick. Nach einer Weile wendet er sich dem Jungen zu:

Junger Mann, ich muss mich bei Ihnen entschuldigen.“ Und nach einer Pause sagt er noch: „Und ich möchte mich bei Ihnen bedanken. Sie haben mir eben aufgezeigt, dass ich vieles Wertvolle im Leben gar nicht mehr wahrnehme, weil ich es für selbstverständlich gehalten habe.

Quelle: 111 Herzensweisheiten: Geschichten, Erzählungen und Zitate von Gisela Rieger

Diese Worte zeigen mir immer wieder, dass es so wertvoll ist mit wirklich offenem Geist und offenem Blick durch die Welt zu gehen. Überall warten kleine Wunder und Motive auf uns.

Streetfotografie – das Alltagsleben mit dem Fotoapparat einfangen

Was mache ich falsch? Bin ich zu schüchtern? Habe ich zu wenig Spontanität oder zu wenig Blick für das Alltagsmotiv? Streetfotografie verstehe ich als die Fotografie von unbekannten Menschen auf der Straße. Bestenfalls unbemerkt, mein Versuch, das Alltagsleben in Berlin mit dem Fotoapparat einzufangen.

Streetfotografie in Berlin
Streetfotografie in Berlin: Das Motiv einrahmen

Leichter gesagt als getan! Zudem ist es moralisch als auch rechtlich nicht ganz unbedenklich. Schließlich hat jeder ja das Recht auf das eigene Bild. Aber wenn man fragt, ist die Situation oft vorbei. Naja, aber das soll hier nicht mein Thema sein.

Streetfotografie Kamera Empfehlung

Streetfotografie ist unauffällig. Also sollte es die Kamera auch sein. Was sind meine Streetfotografie Kamera Empfehlungen? Klein sollte sie sein. Lasst die große DSLR-Tasche zu hause, nehmt unauffälliges Equipment und am besten eine Festbrennweite. Ich habe immer meine 50mm Festbrennweite drauf. Andere haben ähnliches vor geschraubt – 35mm macht auch spaß!

Schnappschuss oder Street Photography

Streetfotografie passiert spontan. Vielleicht also doch nah dran am Schnappschuss? Doch was ist anders? Das Foto sollte für mich etwas aussagen, eine Geschichte erzählen. Gerne will ich nah dran sein. Gerne will ich mitten drin sein. Aber daran arbeite ich noch.

Streetfotografie in Berlin: Weniger ist mehr
Streetfotografie in Berlin: Weniger ist mehr

Meine 10 Streetfotografie Tipps für deinen nächsten Fotowalk:

1. Eine schöne Runde aussuchen mit potentiellen Szenen

Schau auf Stadtpläne, recherchiere Stadtführer oder Ratgeber für Wanderer – hier gibt es jede Menge Tipps für „fertige“ Touren. Wenn es durch deine Nachbarschaft gehen soll, so überlege dir einige wenige markante Punkte, die in deine Tour oder Laufstrecke passen. Zudem frage ich auch immer mal wieder Freunde und bekannte nach Orten, die sie kennen. So bin ich beispielsweise schon auf Orte (gerade hier in Berlin) gekommen, die ich noch nie vorher gesehen – geschweige denn davon gehört – habe (wie zum Beispiel den Selbstmörderfriedhof.

2. Wenn jemand bemerkt, dass ich ihn fotografiere: Lächeln!

Immer wieder höre ich diese Unsicherheit „Lars, wie gehe ich mit Menschen in meinem Foto um, die ich nicht kenne“. Ich halte es da ganz einfach. Ich mache mein Foto, ob nah dran oder weiter weg – und wenn er bemerkt, dass ich ein Foto gemacht habe. So lächele ich ihn oder sie an. Da gab es in den seltensten Fällen mal eine Nachfrage oder ein böses Wort.

3. Wenn jemand denkt, dass ich ihn fotografiere: Über ihn hinweg schauen und beschäftigt tun!

Havanna - Kuba Fotoreise Gesichter

Wenn es doch mal eine Person ist, von der ich erahne, dass diese vielleicht ein Problem mit dem Foto haben könnte, so mache ich trotzdem mein Foto. Wenn jemand dann bemerkt, dass ich ihn fotografiere, so schaue ich über die Person hinweg und tue sehr beschäftigt.

4. Ellenbogen rein beim Fotos machen und nicht zu auffällig posieren mit Kamera und Equipment

Posiere nicht wie der Starfotograf, sondern verhalte dich still, leise und unauffällig. Eben selbiges auch für das Equipment. In der Regel bin ich bei Streetfototouren mit kleinem Equipment unterwegs wie zum Beispiel mit meiner sehr handlichen Sony RX-100 oder meiner Fuji x100f.

5. Nicht wie blöde los knipsen – ein gutes Motiv auch mal länger verfolgen und dran bleiben

Nimm dir Zeit. Ein gutes Foto braucht Geduld. Die haben wir oft nur selten, ich weiß. Aber gerade diese Achtsamkeit in der Fotografie find ich so wertvoll. Es entschleunigt uns ungemein und ist eine der wundervollen Sachen einer schönen Fototour.

6. Ein Bild reicht nicht – gerade in einer Bewegung

Gib dich nicht mit dem ersten Foto zufrieden. Bleib am Motiv dran und fotografiere die Szenen durch – wage diverse Perspektiven.

Linien, Farbe und Perspektive können ein eher banales Bild ganz toll machen.

7. Wenn eine Szene da ist: Schnell sein!

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Gesichter sind überhaupt das spannendste Motiv für mich in New York

Viele Szenen in der Streetfotografie ergeben sich sehr spontan. Dann heißt es „schnell sein und dran bleiben“.

8. Kameraeinstellungen fertig haben und nicht zu lange kurbeln!

Wenn du lange suchen musst, so ist der Moment häufig vergangen. Überlege dir die Lichtstimmung, beobachte die Szene und stelle deine Kamera ein, bevor dein potentieller Hauptdarsteller die Bühne betritt. Das gibt dir Ruhe, um dich auf alles zu konzentrieren.

9. Festbrennweite ist ’ne gute Wahl

Wie ich schon erwähnte – ich gehe immer mit leichtem Gepäck. Meine Fuji hat beispielsweise nur eine Festbrennweite und kein Zoom. Das entschleunigt mich zusätzlich, da ich damit lerne zu arbeiten.

10. Nicht unbedingt im manuellen Kameramodus sondern Programm (da denke ich noch mal drüber nach!)

Oft schalte ich dann von Manuell in AV oder TV und fotografiere mit einer gewählten Blende oder Zeitvorwahl.

Fortsetzung folgt!

Streetfotografie in Berlin: Alltägliches einfangen
Streetfotografie in Berlin: Alltägliches einfangen

Wenn ihr gute Orte sucht, um erst einmal zu üben, dann kann ich euch in Berlin zum Beispiel den Streetfoodmarket für tolle Streetfotografie-Motive empfehlen. Oft bin ich auch in der Ecke Kottbusser Damm ode Kreuzberg unterwegs. Da gibt es auch viele tolle Motive für eine schöne Streetfotografie-Tour.


Fotokurs in Berlin: Kreative Fotoideen – Berlin mit neuen Augen

Du suchst einen kreativen Fotokurse in Berlin oder einen inspirierende Fototour oder Fotowalk durch Berlin?

Perfekt, dann habe ich genau den richtigen Fotokurse in Berlin für dich! Mache die Stadt zu Deiner Fotografie-Spielwiese und entdecke die fotografische Kreativität in Dir. Ich entführe dich an bekannte und unbekannte Orte mitten im Herzen Berlins und fordere Dich heraus neue Sichtweisen auszuprobieren.

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Bernd Krämer
2 Monate zuvor

Ein guten Artikel, ausgezeichnet bebildert. Ich gehe gelegentlich auch durch die Kieze, um solche Aufnahmen zu machen, habe aber immer Hemmungen, wenn Personen zu erkennen sind. Mit den neuen Regeln zum Recht am eigenen Bild kann man sich auch leicht Ärger bei einer Veröffentlichung einfangen.

Bernd

Carsten
Carsten
6 Jahre zuvor

Hallo Lars,
auch ich bin der Streetfotografie verfallen. (carstenosterwaldfotografie.com)
Du hast Recht, es ist wirklich nicht einfach, und die Ausbeute ist nach einer fertigen Tour wirklich mager.
ABER: Gerade WEIL ich über das Motiv keine Kontrolle habe, ist der Reiz und die Neugier um so größer. Vielleicht (oder sogar wahrscheinlich) liegt es auch am Nervenkitzel……werde ich erwischt-oder nicht 🙂

Aber die Thematik an sich lässt mich nicht mehr los…..ich könnte jeden Tag los ziehen…..
Wir können ja mal gemeinsam auf Tour gehen…..

In diesem Sinne…noch ein schönes Wochenende

Carsten

Igor
8 Jahre zuvor

„Wenn das Foto nicht gut genug ist – dann bist du nicht nah genug dran. “ Ich glaube, der Weg zu der Strassenfotografie ist die Fähigkeit die Angst vor der Menschen zuhause zu lassen. Wenn Sie einen bemerken – dann lächeln und weiter Fotos machen. Meistens haben sie auch nichts dagegen und die Fotos werden sogar besser dadurch. Ich bin kein Fan von Strassenfotographie mit 200mm…

Zweiter wichtiger Aspekt ist Hintergrund. Wenn man einen tollen oder interessanten Hintergrund sieht muss man einfach stehen bleiben und warten. Meistens passiert auch irgendwas 😉 Oft ist der Hintergrund am schwierigsten zu finden 😀

Sebastian
8 Jahre zuvor

Klar, können wir gern mal machen. Momentan komme ich gar nicht mehr zum Fotografieren, da 22places mittlerweile recht viel Zeit in Anspruch nimmt. Und dann ist da auch noch die WM…

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