Gegenlicht-Fotografie Tipps

Das Gegenlicht Portrait: Lifestyle Fotografie mit satten Farben & Bokeh

Vor einiger Zeit habe ich erstmals bewusst auf eine mir bis dato nie so richtig aufgefallen Technik geachtet: Die Lifestyle-Fotografie. Naja, oder eigentlich das Gegenlicht Portrait. Ich hatte darüber in meinem absoluten Lieblingsfotografie-Buch Abenteuer Fotografie gelesen. Mein erster Gedanke: Wow, sieht das cool aus! Aber wie mache ich das? Wie kommen diese Lichtstrahlen zustande. Und überhaupt, sollte man die Sonne nicht immer eher im Rücken haben? Ganz und gar nicht! Hier ein paar Tipps für deine perfekte Foto-Stimmung im Gegenlicht.

Was dieses Bild zeigt
Die ursprünglichen Aufnahmedaten – 85 mm, f/2,8 und 1/125 s – zeigen eine mögliche Kombination für ein Gegenlichtporträt. Sie sind ein Beispiel, kein festes Rezept.

Probier es selbst
Beginne mit f/2,8 bis f/4, wenn dein Objektiv das erlaubt. Fokussiere auf das nähere Auge und prüfe, ob die Verschlusszeit für die Bewegung deiner Person kurz genug ist.

Fotografische Gestaltungsmöglichkeiten im Gegenlicht

Gegenlicht kann deinem Porträt eine warme Stimmung und leuchtende Konturen geben. Je nach Lichteinfall werden die Farben aber auch blasser, weil Streulicht den Kontrast verringert. In der Regel nutzt du dafür die Goldene Stunde (also die Zeit kurz nach Sonnenaufgang oder kurz vor Sonnenuntergang). Wie lange dieses Licht anhält, hängt von Jahreszeit und Standort ab. Mit tief stehender Sonne macht es besonders viel Spaß, die Gestaltungsmöglichkeiten im Gegenlicht auszuprobieren. Denn zum einen kannst du mit dem Winkel spielen und die Sonne ein wenig über dein Motiv blicken lassen oder du kannst es als Silhouetten mit seiner scherenschnittartigen Wirkung ausprobieren. Das wirkt auch echt cool!

Was dieses Bild zeigt
Das Licht von hinten kann Konturen zum Leuchten bringen. Scheint es direkt ins Objektiv, kann zugleich ein weicher Schleier entstehen und der Kontrast sinken.

Probier es selbst
Bewege dich einen kleinen Schritt zur Seite. Lass die Sonne einmal ganz hinter deinem Motiv verschwinden und einmal knapp daran vorbeischeinen. Vergleiche den Kontrast.


Alles wird weich: Die Kanten verschwimmen im Gegenlicht

Etwas gewöhnen musste ich mich an die Kantenschärfe. Denn bei Porträts im Gegenlicht ergibt sich manchmal ein kleiner Lichtsaum um die Kopfkontur. Lass dich davon nicht irritieren und nutze das einfach für deine Bildwirkung.

Was dieses Bild zeigt
Ein heller Saum an Haaren oder Körperkonturen kann die Person vom Hintergrund trennen. Dieser Lichtsaum ist etwas anderes als ein unscharf fokussiertes Gesicht.

Probier es selbst
Lass die Person den Kopf leicht drehen. Achte darauf, wie sich der Lichtsaum verändert, und kontrolliere die Schärfe auf dem Auge mit der Bildlupe.

Lifestyle Fotografie: Satte Farben, Bokeh, überblendet und Coolness im Gegenlicht Portrait

Diese satten Farben, etwas überblendet, so echt, so zufällig, gerne mal ein Sonnenstrahl zuviel im Objektiv. Aber wie mache ich das? Kann ich auch so einfach Lifestyle Fotografie lernen? Was gehört dazu, um meinem Bild diese bestimmte Stimmung, ein Image oder ein Lebensgefühl zu geben?

Was dieses Bild zeigt
Tief stehendes Licht und ein begrenzter Schärfebereich können gemeinsam eine warme, ruhige Bildstimmung erzeugen. Für das Bokeh spielen auch Brennweite und Abstände eine Rolle.

Probier es selbst
Vergrößere den Abstand zwischen Person und Hintergrund. Fotografiere bei gleicher Blende erneut und vergleiche, wie weich die hellen Stellen im Hintergrund wirken.

Tipps für Scherenschnitt Silhouetten im Gegenlicht

Wenn du eine scherenschnittartige Wirkung von Umrissen als Silhouetten fotografieren willst, dann kannst du auf den hellen Bildbereich belichten. Das ergibt eine spannende Wirkung. Wenn du wie ich hier zudem das Foto in Schwarzweiß fotografierst, hat es von der Bildgestaltung eine tolle reduzierte Wirkung.

Was dieses Bild zeigt
Bei einer Silhouette werden Umrisse wichtiger als Details im Gesicht. Ein heller Hintergrund hilft, die Form sichtbar zu machen.

Probier es selbst
Belichte auf den hellen Hintergrund und lass dein Motiv dunkel werden. Achte darauf, dass Arme und Körper nicht zu einer einzigen unlesbaren Form verschmelzen.

Gegenlicht und Streulichtblende

Ich mag ja dieses Streulicht oder auch die Blendenreflexe, die dann oft auch in einen grünen Farbton brechen. Wenn du das nicht so gerne im Foto hast, dann kannst du eine Streulichtblende ( oder auch Sonnenblende, Gegenlichtblende, Störlichtblende) benutzen. Das ist ein Zubehör für dein Objektiv doch ich muss gestehen: Ich nutze es fast nie 🙂

Was dieses Bild zeigt
Reflexe und ein Lichtschleier hängen stark vom Winkel zwischen Sonne, Motiv und Objektiv ab. Eine Streulichtblende hilft vor allem gegen seitlich einfallendes Licht.

Probier es selbst
Fotografiere dieselbe Szene mit leicht verändertem Winkel. Wenn die Sonne direkt im Bild steht, verdecke sie testweise mit deinem Motiv – oft verändert das die Reflexe deutlicher als die Streulichtblende.

Mit Gegenlicht fotografieren: Der Lifestyle Effekt

In den letzten Wochen habe ich mich mal wieder viel mit Portraits beschäftigt. Es ist toll, die Personen beziehungsweise die Persönlichkeit des Abgebildeten ehrlich, unverkrampft und ohne Schauspielerei darzustellen. Das ist aber auch immer die Herausforderung.

Lifestyle Fotografie erzählt viel mehr eine Geschichte. Also versuchte ich mich einmal in der Vermittlung eines Images. Gestern Abend war eben dieses besondere Licht. Also musste mein Bruder Model stehen: Cooles Licht und einfach mal so tun als ob Stichworte wie Schweden, H&M, Fashion und Coolness zum Greifen nahe sind.

Was dieses Bild zeigt
Ein vertrauter Ort wie der Garten kann für ein stimmungsvolles Porträt reichen. Licht, Ausdruck und ein ruhiger Hintergrund tragen gemeinsam zur Wirkung bei.

Probier es selbst
Gib deinem Gegenüber eine kleine Handlung: langsam auf dich zugehen, zur Seite schauen oder kurz die Augen schließen. Fotografiere die Übergänge zwischen den Posen.

Bei Gegenlicht-Fotos gewinnt alles an Ausdruck und Atmosphäre. Irgendwie sieht alles ein wenig anders aus. Das Gegenlicht führt zu interessante, anderen Schatten. Die Objekte lassen sich oft tolle Silhouetten im Scherenschnitt darstellen. Es kommen spannende Texturen zum Vorschein. Strukturen in Blättern, ein Schimmer um den Kopf, alles wird in goldener Farbe dargestellt. Aber es ist auch etwas Übung. Mir fiel das Fokussieren schwer. So habe ich oft immer wieder auf den Autofokus gedrückt, bis ich ihn dann deaktiviert habe. Auch die Belichtungsautomatik ließ sich vom hellen Hintergrund irritieren: Mal wurde das Gesicht zu dunkel, mal verlor der Hintergrund seine Zeichnung. Hier daher noch einmal meine Erkenntnisse aus den ersten Gehversuchen der Fotografie im Gegenlicht:

Tipps für das Gegenlicht-Portrait:

  • Starte bei ausreichend Licht mit ISO 100 oder 200. Erhöhe die ISO, wenn die Verschlusszeit für ein scharfes Porträt sonst zu lang wird.
  • Für einen weichen Hintergrund probiere f/2,8 bis f/4. Möchtest du mehr Umgebung scharf zeigen, blende etwa auf f/5,6 bis f/8 ab. Die passende Blende folgt deiner Bildidee.
  • Bei Fokusproblemen verdecke die Sonne zunächst mit deinem Motiv und fokussiere auf das Auge. Falls nötig, stelle manuell scharf. Der manuelle Belichtungsmodus allein verändert den Autofokus nicht.
  • Automatischer Weißabgleich ist ein möglicher Start. Für eine gleichbleibende warme Serie probiere Tageslicht oder einen festen Kelvinwert. In RAW kannst du den Weißabgleich später anpassen.
  • Schalte deinen automatischen Blitz aus (es sei den du willst den Vordergrund ausleuchten)
  • Für eine Scherenschnitt-Silhouetten Wirkung belichte auf den hellen Bildbereich
  • Je nach Winkel kann es zu Blendenreflexen kommen – nutze diese für dein Foto oder arbeite mit der Streulichtblende

Was dieses Bild zeigt
Wenn das Tageslicht schwächer wird, zählt neben der Stimmung auch die Balance aus Blende, Verschlusszeit und ISO. Eine höhere ISO kann helfen, Bewegungsunschärfe zu vermeiden.

Probier es selbst
Prüfe zuerst deine Verschlusszeit. Wird sie für ein freihändiges Porträt zu lang, öffne die Blende oder erhöhe die ISO. Ein etwas rauschiges, scharfes Bild kann die stärkere Erinnerung sein.

Deine Erfahrungen mit dem Gegenlicht

Wie sind deine Erfahrungen mit dem Gegenlicht? Hast du es auch schon mal ausprobiert? Dann zeig mir doch gerne ein paar deiner Fotos und lade sie hier unter dem Beitrag hoch. Oder wenn du auch tolle Tipps hast dann schreibe sie als Kommentar. Ich freu mich drauf!


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8 Comments
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Heiko Finke

Hallo Lars, hier mal ein Versuch von mir. Gern freue ich mich über deine Rückmeldung

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Carmen

Hallo Lars,

besser kann man Fotografie nicht lehren. Herzlichen Dank dafür.

Lilia

Ich mag Gegenlicht!

Carmen

mein Gegenlichtbild von der Insel Spiekeroog

Annika

Du hast im Beitrag geschrieben, man solle den Weißabgleich nicht automatisch ermitteln lassen, daher rührte wohl die Frage, was du stattdessen einstellst 😉

Ewald Noy

So weit, so gut! Wo misst du dann die Belichtung und welchen Weißabgleich würdest du empfehlen ?

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Nein, danke!

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