Eine wundervolle Art und Weise die Natur einzufangen: Fotografin Jana Mänz im Interview

Naturfotografie mit dem Smartphone: 98 kreative Tipps und Tricks

Jana Mänz ist Fotografin, Buchautorin und auch Mentorin. Aber vor allem ist sie Naturliebhaberin und verbringt ihre Zeit am liebsten draußen. „Fotografie aus Leidenschaft“, das ist das Motto der 1976 in Halberstadt geborenen künstlerischen Fotografin und Buchautorin. Als Natur- und Landschaftsfotografin zeigt sie uns die Welt auf ungesehene Weise. Die Abbildung der Wirklichkeit lässt sie dabei gerne hinter sich, um mit ganz eigener Handschrift Bilder zu schaffen, die im Gedächtnis bleiben.

Gerne gibt Jana Mänz ihr Wissen weiter. So unterrichtet Sie in Workshops Fotografie und Bildbearbeitung. Kürzlich hatte Jana eine Crowdfunding-Kampagne zum Thema „Naturfotografie mit dem Smartphone“ gestartet. Diese war sehr erfolgreich und hat viele von Euch sehr begeistert! Dabei ging es um das spannende Projekt, welches nun endlich den Weg in die Bücherregale gefunden hat. 

Naturfotografie mit dem Smartphone ist ein ganz besonderes Buch. Geschrieben mit viel Liebe und Leidenschaft zur Natur und zur Fotografie. Ein Buch mit ganz vielen kreativen Tipps, die nur darauf warten, von dir ausprobiert zu werden. Anhand vieler Naturbilder gibt Jana dir zahlreiche praktische Tipps und Tricks an die Hand. Dabei liefert sie jede Menge toller Ideen für kreative Fotos wie zum Beispiel das „Spiel mit künstlichem Licht“ in der Landschaftsfotografie. Aber sie liefert auch großartige Tipps wie „Sprachsteuerung aktivieren„, wenn es um ungewohnte Perspektiven geht. Die einzelnen Kapitel bauen nicht aufeinander auf, sodass du die Inhalte jederzeit querlesen kannst.

Hier hast du die Gelegenheit eine kostenlose Leseprobe mal anschauen und probelesen. Zudem kannst Du das Buch gleich bestellen – entweder direkt auf der Webseite von Jana Mänz oder auch via Amazon.

Ich hatte kurz vor der Veröffentlichung die Gelegenheit mit Jana zu sprechen und habe dir hier unser Gespräch aufgeschrieben. 


Hast du Lust dein persönliches Exemplar zu gewinnen?

Hast du Lust als Leser von IG-Fotografie dein persönliches Exemplar zu gewinnen?

Deine Chance zu gewinnen hast du, wenn du mir einfach bis zum 30.11.2019 eine E-Mail an lars@ig-fotografie.de mit dem Betreff „Naturfotografie“ schickst. Es entscheidet das Los. Bitte beachte auch die Teilnahmebedingungen für das Gewinnspiel.

Naturfotografie mit dem Smartphone - das Buch mit jeder Menge kreativer Tipps und Tricks zum Thema Naturfotografie.
Naturfotografie mit dem Smartphone – das Buch mit jeder Menge kreativer Tipps und Tricks zum Thema Naturfotografie.

Naturfotografie mit dem Smartphone: 98 kreative Tipps und Tricks
Das Buch besteht aus 98 Kapiteln. Anhand vieler Naturbilder gibt Jana zahlreiche praktische Tipps und Tricks an die Hand.

Jana, wie bist Du zur Fotografie gekommen?

Fotografiert habe ich schon als Kind. Schon früh hatte eine einfache Knipse, später dann die Praktika von meinem Vater. Ernsthaft wurde es erst, als ich auf einer Exkursion 1996 in Südafrika war. Ich habe zu jener Zeit Fernerkundung und Geoinformatik in Jena studiert. Als ich wiederkam und die Fotos in der Drogerie abholte (damals, als man noch analog mit Film fotografierte) war ich zutiefst enttäuscht. Kein Foto zeigte das, was ich vor Ort gesehen und empfunden hatte. Die Bilder waren so schlecht, dass ich mir kurz danach meine erste Spiegelreflex-Kamera (Nikon F70) kaufte und einem Fotoklub beitrat, in dem alle zwei Wochen meine Bilder durchweg zerrissen wurden. Das war eine harte Schule und ich habe lange gebraucht, die erlernten Regeln zu hinterfragen und meinen eigenen Weg zu gehen.

Doch das kam erst, als ich mich als Fotografin und Autorin nach der Geburt meines Sohnes 2011 selbstständig machte. In den Anfangsjahren habe ich alles neu gelernt. Ich bin Autodidaktin und lerne lieber für mich selber als in einer Schule. Der berufliche Durchbruch kam 2014 als mein Buch „Naturfotografie mal ganz anders“ erschien. Das Buch hat mich gezwungen, mich noch einmal ganz anders mit (Natur-)Fotografie auseinander zu setzen. Fototechnik ist nicht unbedingt mein Lieblingsfach, aber ich merkte, dass es essentiell ist, wenn man mehr erreichen möchte. Gerade wir Frauen tun uns oft schwer damit und fotografieren eher aus dem Bauch heraus. Ich würde gerne mehr Frauen dazu ermutigen, sich mehr mit der Kameratechnik auseinander zu setzen, um dann Technik und Bauchgefühl besser zu verbinden. Denn Technik kann man lernen, Gefühl hat man oder eben nicht.

Naturfotografie-mit-dem-Smartphone Kapitel Magischer Fokus (2)
Naturfotografie mit dem Smartphone: 98 kreative Tipps und Tricks für passionierte Hobbyfotografen – Foto: Jana Mänz

Was macht ein atemberaubendes Landschaftsfoto für Dich aus?

Das ist eine gute Frage und ich glaube, jeder würde sie anders beantworten. Als studierte Geographin habe ich natürlich sofort die atemberaubenden Bilder von National Geographic im Kopf. Heute bin ich eher auf der Suche nach den einfacheren, stilleren Bildern. Die einen auf eine ganz andere, subtile Art berühren. Ich folge vielen japanischen Fotografen bei Instagram. Sie haben eine wundervolle Art und Weise die Natur einzufangen. Das ist schwer zu beschreiben, weil sie jenseits der Fotos liegen, die jedes Jahr in den Fotowettbewerben gewinnen.

Naturfotografie mit dem Smartphone - ja, das geht!
Naturfotografie mit dem Smartphone – ja, das geht! – Foto: Jana Mänz

Dein kommendes Projekt „Naturfotografie mit dem Smartphone“ wird ein Crowdfunding-Projekt. Warum willst du jetzt (fast) alles selbst machen?

Ich liebe Bücher, ich liebe gute Buchbindungen und ich liebe Papiere. Doch es gibt wenig Vielfalt auf dem deutschen Fotografie-Büchermarkt. Aus Kostengründen werden fast immer glatte hochglänzende Papiere eingesetzt. Wenn man sich in anderen Genres umschaut, z.B. Kochbücher, hier gibt es so viele tolle Beispiele. Und da ich eine Verlagsausbildung habe und InDesign sehr gut beherrsche, macht es Spaß, nicht nur zu schreiben sondern auch die Bücher zu gestalten. Ich habe es schon immer geliebt, von der Idee eines Buchprojektes bis zur Umsetzung fast alles selber zu machen. Natürlich hole ich mir auch Hilfe, in Form eines Lektorates, aber wenn es geht, versuche ich meine Ideen selber umzusetzen. Ich habe eine kleine Druckerei in Bayern gefunden, mit der ich in einem engen Kontakt stehe. Das ist bei großen Druckereien heute gar nicht mehr möglich, Papiere und Druckbild abzustimmen, da man aus Kostengründen das nehmen muss, was vorgegeben wird. Eine kleine Druckerei ist zwar etwas teurer, aber dafür kann ich bestimmte Papiere aussuchen. Ich bin an meinem Baby „Buch“ ganz nah dran, auch wenn ich es in dem Moment in fremde Hände gebe. Es gehört sehr viel Vertrauen dazu und mir ist es wichtig, mit Leuten zusammen zu arbeiten, die ebenso Qualität schätzen, wie ich es tue.

Mithilfe von Crowdfunding habe ich nun die Möglichkeit meine Ideen so umzusetzen, wie ich es möchte. Natürlich gehört auch eine gute Kalkulation dazu. Man muss sich ebenso mit Steuern beschäftigen, weil die Fundingsumme als Einnahme gilt und versteuert werden muss. Crowdfunding ist keine Spende.

In den letzten Monaten habe ich mich sehr in das Thema eingearbeitet, habe bei Startnext Webinare besucht und auch das Buch gelesen. Ich wollte da nicht unbedarft rangehen, ich möchte ja, dass mein Buchprojekt verwirklicht wird. Als dann die Crowdfunding bei Startnext gestartet ist, war ich ziemlich aufgeregt. Ich hatte die Nächte davor durchgearbeitet und stand richtig unter Strom. Innerhalb der ersten Woche habe ich dreiviertel meines Crowdfundingziels erreicht und jetzt möchte ich in der verbliebenen Zeit gerne die Crowd erfolgreich zu Ende führen. Mithilfe der Einnahmen werde ich den Druck, das Lektorat und die Versandkosten finanzieren.  


Kann man das Projekt noch unterstützen? Und wenn ja – wie?

Ja, ich würde mich sehr über Unterstützung freuen. Es gibt verschiedene Dankeschöns, von 5,- Euro für gutes Karma, 22,- Euro für das gedruckte Buch bis hin zu einem Workshop-Tag mit mir. Für jeden Geldbeutel ist etwas dabei und ich freue mich über jede noch so kleine Unterstützung.

Hier geht’s zum damaligen Projektlink: https://www.startnext.com/naturfotografie-smartphone

(Hinweis: mittlerweile kannst Du das Buch bestellen – entweder auf der Webseite von Jana Mänz oder auch via Amazon)


In wieweit unterscheiden sich für Dich Smartphone-Landschaftsfotos von DSLR-Fotografie?

Da gibt es schon große Unterschiede. Das fängt bei der Abbildungsqualität an und hört bei Blende, Rauschverhalten und Co auf. Diesbezüglich ist das Smartphone nach wie vor eine Schönwetter-Kamera. Doch das macht andererseits auch den Reiz aus. Was kann ich aus dem Smartphone heraus kitzeln, wie kann ich das, was eigentlich nicht geht, kreativ anders umsetzen? Ich habe eine lange Zeit parallel fotografiert und das Foto sowohl mit der Nikon D750 als auch mit meinem Smartphone gemacht. Mit der Zeit habe ich besser verstanden, was anders geht und wie ich umdenken muss. Ich konnte mit meinem Smartphone nie dieselben Bilder machen wie mit meiner DSLR. Das war gleichzeitig das Glück, weil so Bilder entstanden sind, die ich wohl sonst nie gemacht hätte. Wenn man nicht auf perfekte Bilder angewiesen ist, ist das Smartphone für die Naturfotografie, gerade beim Wandern, eine gute Alternative.


Wenn Du draußen unterwegs bist, was hast Du an Fotoausrüstung und Equipment dabei?

Das ist ganz unterschiedlich. Unter der Woche bin ich viel mit meiner Hündin in der Natur. Dann habe ich eigentlich nur mein Smartphone dabei. Die große schwere Ausrüstung, meine Nikon D750 mit 20mm, 50mm, 100mmMakro und dem Trioplan100 (mehr besitze ich nicht) auf Wandertouren, wenn ich für Projekte arbeite. Mein Manfrotto-Stativ, das sehr alt und schwer ist, habe ich zwar im Auto liegen, aber ich benutze es nur, wenn ich gezielt bestimmte Dinge wie Langzeitbelichtungen an der Ostsee etc. vorhabe. Ich bevorzuge es eigentlich lieber leicht und einfach, dann bin ich viel freier für kreative Spielereien. Daher mag ich auch die Fotografie mit dem Smartphone.


Schlechtes Wetter ist für Dich…

nicht gleich schlechtes Wetter. Es gibt das langweilige, unfotogene Wetter, wo alles grau in grau ist und das grandiose, spannende mit Lichtstimmungen, Wolkenformationen. Ich mag am liebsten alles auf einmal: Schnee, Regen, Sonne, ein Regenbogen. Während ich an grauen Tagen es mir lieber mit einem Buch gemütlich mache.


Hast Du Vorbilder oder fotografische Inspirationen in der Landschaftsfotografie?

Ja, ich habe mehrere Vorbilder, die an sich auch gar nicht zusammen passen: Caspar David Friedrich als romantischer Landschaftsmaler, Carl Blossfeldt mit seinen detaillierten Pflanzenstudien und den Landschaftsfotografen Michael Kenna mit seinen japanischen Bildern (Forms of Japan). Und ich bin ein Fan von Sebastião Salgado und seinem Film „Das Salz der Erde“. Nicht nur aus fotografischer Sicht, er gehört m.E. in jeden Schulunterricht.  


Was fotografierst Du sonst so, wenn Du keine Landschaftsfotos machst?

Ich sehe mich weniger als Landschaftsfotografin sondern vielmehr als Naturfotografin. Ich mag gerne das kleine, unscheinbare und weniger die großen Landschaften. Wenn ich nicht in der Natur unterwegs bin, mag ich auch gerne Familien- und Kinderfotos machen oder experimentelle Produktfotografien. Von Hotelfotografie bis hin zu getunten Autoteilen habe ich schon viel fotografiert. Das ist das tolle an der Fotografie, es gibt immer noch Genres, die man für sich entdecken und dazulernen kann. Ich könnte keine Fotografin sein, die sich nur auf eine Sache spezialisiert, das wäre mir auf die Dauer zu langweilig.


Du gibst auch Workshops – worauf dürfen sich Deine Teilnehmer freuen?

Freuen? Bei mir wird hart gearbeitet! Nein, Spaß beiseite.

Ich schenke meinen kleinen Teilnehmergruppen und der Fotografie ganz viel Zeit und Aufmerksamkeit. Meine Art der Workshops und Fotospaziergänge besteht NICHT darin, von Hotspot zu Hotspot zu hetzen. Ich möchte fotografieren vermitteln. Ich möchte, dass meine Teilnehmer Fotografie erleben und verstehen, woraus „gute Bilder“ hervorgehen. Es geht nicht darum, als Erster im Ziel zu sein sondern glücklich ins Ziel zu kommen.

Mit viel Muße und unter Wahrnehmung der Schönheit der Natur führe ich sie an wunderbare Orte. Ich zeige, wie man genau hinschaut und die Motive sehen lernt. Ich möchte mit meinen Schülern Motive im Gespräch mental erarbeiten. Dazu gehört es, auch mal eine Weile an einem Ort zu bleiben, ihn zu beobachten und zu genießen, die Sonne im Gesicht zu spüren, den Alltag hinter sich zu lassen und zu entschleunigen. Je nach Standort und Motiv werden auch technische Tipps und Tricks in das Gespräch einfließen – je nach Vorwissen –, doch sie werden nicht nach Stundenplan abgehandelt. Es gibt keine Aufgaben und keine theoretischen Abhandlungen, keine PowerPoint-Folien. Ich halte keinen klassischen Unterricht und ich bin darauf angewiesen, dass meine Teilnehmer interessiert fragen, sich einbringen. Mir ist es wichtig, dass wir eine entspannte Zeit miteinander verbringen. Das wir uns gemeinsam dem schönsten Hobby der Welt widmen, darüber Gespräche führen und uns kennen lernen. Erst dann wird man verstehen, warum ich wie fotografiere und wie ich meine Motive sehe. Mir ist es auch nicht wichtig, mit welcher Ausrüstung meine Teilnehmer kommen. Gerade Frauen haben mir schon oft gesagt, dass sie sich nicht getraut haben, sich anzumelden, da sie doch nur eine „einfache Fotoausrüstung“ besitzen. Zu mir kann man auch mit dem Smartphone oder einer einfachen Digitalkamera aus dem Discounter kommen. Viel wichtiger als die Ausrüstung sind das Interesse und die Leidenschaft zur Fotografie. Je mehr man über Fotografie lernt, umso mehr Demut bekommt man vor dem Können anderer Fotografen.  


 Über Jana Mänz

Jana Mänz - Fotografin | Buchautorin | Mentorin
Jana Mänz – Fotografin | Buchautorin | Mentorin

„Fotografie aus Leidenschaft“, das ist das Motto der 1976 in Halberstadt geborenen künstlerischen Fotografin und Buchautorin Jana Mänz. Als Natur- und Landschaftsfotografin zeigt sie uns die Welt auf ungesehene Weise. Die Abbildung der Wirklichkeit lässt sie dabei gerne hinter sich, um mit ganz eigener Handschrift Bilder zu schaffen, die im Gedächtnis bleiben. Gerne gibt Jana Mänz ihr Wissen weiter: Sie unterrichtet Fotografie und Bildbearbeitung.

Webseite: https://janamaenz.photography

Instagram: https://www.instagram.com/janamaenz/

Hier kannst Du das Buch bestellen – entweder direkt auf der Webseite von Jana Mänz oder auch via Amazon.


fotografieren-lernen-buch
Fotografieren lernen – Das Buch

NEU: Fotografieren lernen: Ganz einfach bessere Fotos – Die 30 Tage Challenge

Zum Thema Fotografieren lernen habe ich auch ein Buch geschrieben. Da verrate ich dir, wie du ganz einfach bessere Fotos machen kannst. Und damit es auch richtig dolle Spaß macht, habe ich das ganze als 30 Tage Challenge konzipiert. So führt dich diese 30-Tage-Challenge in kleinen, verständlichen Schritten zu besseren Fotos!

An jedem Tag gibt es tolle Tipps, Anleitungen und Beispiel-Fotos. Dabei erkläre ich dir alles, was du als Foto-Einsteiger wissen musst: Welche Grundregeln der Bildgestaltung muss ich beachten? Welche Kameraeinstellungen helfen mir? Wie komme ich auf gute Bildideen?

Die praktischen Tipps, hilfreichen Erklärungen und kleinen Herausforderungen machen Spaß und führen dich einfach zu tollen Fotos!

Lass dich hier inspirieren!


Hier habe ich noch mehr Ideen für Dich

Noch mehr Inspiration gesucht? Dann brauchst Du diese Kreativ-Ideen für Deine Fotografie. Lass Dich inspirieren und überraschen. Vieles kann sooo schön einfach sein 🙂

Kreative Fotografie: Tipps für echte Wow-Fotos
Kreative Fotografie: Tipps für echte Wow-Fotos

Super coole Tipps für deine Fotografie & hinzu dein gratis Fotobuch!

5 Tricks für bessere Fotos - Gratis Fotografie-eBook
5 Tricks für bessere Fotos – Gratis Fotografie-eBook

Willst du mit mir zusammen neue Orte zum fotografieren entdecken? Dann melde dich jetzt für den Newsletter an.

✓ Tolle Ideen zum fotografieren lernen
✓ Tipps zu geheimen Fotolocations
✓ Zugang zur geschlossenen Facebook Gruppe erhalten
✓ Gratis E-Book direkt nach der Anmeldung

Nach der Anmeldung bekommst du dein gratis Download-Link für mein neues E-Book.


PS: So schaute der letzte IG-Fotografie Newsletter aus!


Gefällt dir, was du hier liest? Dann gib mir einen Daumen hoch oder sag es weiter!


Es berührt mich und ich fühle es im Bauch: Street-Photographer Daniel Eliasson im Interview

Daniel-Eliasson-project-love

Daniel Eliasson ist ein Street-Fotograf aus dem schwedischen Göteborg. Er liebt es den Alltag der Menschen zu dokumentieren. Doch entgegen vieler angehender Street-Photographer – und auch entgegen meiner bisherigen Vorgehensweise – möchte er sogar erkannt werden und bedankt sich, nach dem er das Foto gemacht hat. Er mag es nicht die Kamera zu verstecken.

Vor einiger Zeit bin ich zufällig über die Bilder von Daniel gestolpert. Diese haben mich fasziniert. So viel Nähe und Zerbrechlichkeit liegt in ihnen. Seine Fotos sind Langzeitprojekte mit Themen wie Liebe, Einsamkeit oder auch Zeit.

Letztens hatte ich die Gelegenheit ihm ein paar Fragen zu seiner Fotografie zu stellen. Ich war erstaunt mit wie viel Respekt er bei seiner Fotografie vorgeht.

Kannst du von der Fotografie leben?

Ja, könnte ich. Aber ich habe beschlossen, dies nicht zu tun. Ich habe Bedenken, dass ich als professioneller Fotograf mich zwingen müsste bestimmte Bilder zu machen, mit denen ich Geld verdienen kann. Jetzt kann ich die Fotos machen, die ich persönlich mag ohne den Gedanken damit Geld verdienen zu müssen.

Was für ein Foto-Equipment nutzt du?

80% der Zeit fotografiere ich mit einer Canon EOS 5D MKII und einem Canon 24-70mm f/2.8 USM L Objektiv. Für dunkle Nächte und Indoor-Fotos verwende ich meine 50mm f/1.4 Festbrennweite. Auch nutze ich häufig meine Fuji X100S, je nach Stimmung. Die Fuji habe ich in der Regel immer dabei.

Daniel-Eliasson-project-loneliness
Foto aus der Serie „project loneliness“, Foto (c) Daniel Eliasson

„Ich liebe es „zu nahe zu kommen“, so dass der Betrachter das Gefühl für den Moment bekommt.“

Wenn du unterwegs bist, mit welchen Einstellungen fotografierst du?

Ich bin durchweg im manuellen Modus. Als Verschlusszeit nutze ich in der Regel mindestens 1/500s, um Bewegung „einzufrieren“. Die Blende setzte je nach und die Blende je nach Laune. In der Regel f/2.8 oder f/11, je nach Situation und dem, was ich versuche, mit meinem Bild zu machen. ISO stelle ich so ein, wie es die korrekte Belichtung erfordert. Aber ich hab keine Bedenken im ISO-Wert hoch zu gehen. Gelegentlich gehe ich sogar bis zu 256 000 ISO, wenn nötig, um das Motiv einzufangen. Ich habe nichts gegen Rauschen oder sogar absichtlich Rauschen in der Nachbearbeitung hinzu zu fügen.

Wie hast du mit der Fotografie gestartet?

Ich fotografiere, seit ich Teenie bin und habe nie damit aufgehört. Vor etwa 11 Jahre kaufte ich meine erste DSLR (Canon EOS 300D) und war verliebte in die Kamera. Ich habe es vor allem für die Dokumentation des Alltags mit meinen Kindern genutzt. Auch habe ich meine ersten Gehversuche auf der Straße gemacht ohne zu wissen, das es ein Genre namens „Street Photography“ gibt.

Vor knapp 2 Jahren hatte ich erstmals den Mut meine Fotos öffentlich zu präsentieren und erhielt tolles Feedback für meine Bilder. Das hat mich sehr überrascht, da ich selbst eigentlich nie 100% zufrieden war mit meinen Bildern. Ich lerne stetig dazu beim fotografieren und versuche mich zu verbessern.

Daniel-Eliasson-project-love
„Scent of your hair“ aus der Serie „project love“, Foto (c) Daniel Eliasson

Wie bezeichnest du deinen fotografischen Stil?

Meine Bilder haben einen starken Fokus auf den Menschen. Ich liebe es „zu nahe zu kommen“, so dass der Betrachter das Gefühl für den Moment bekommt. Ich versuche, Emotionen wie Liebe, Depression, Einsamkeit oder Dunkelheit einzufangen. Ich mag keine glücklichen Bilder. So denke ich, haben meine Fotos immer eine gewisse traurige oder sentimentale Note.

Was macht ein Foto für dich besonders?

Ein gutes Foto trifft mich wie ein Schlag. Es berührt mich und ich fühle es im Bauch.

Daniel-Eliasson-project-loneliness
Foto aus der Serie „project loneliness“, Foto (c) Daniel Eliasson

In der Streetfotografie scheint alles spontan. Kannst du ein gutes Bild planen?

Während eines Street-Shootings versuche ich den nächsten Schritt voraussehen. Ich denke nie. Stattdessen versuche ich, zu fühlen wenn das nächste Foto kommt. Ich versuche mich zu platzieren, um eine gute Bildgestaltung hinzubekommen. Ich vermeide Ablenkung im Hintergrund bevor ich auf den Auslöser drücke. Ich versuche, so lange unbemerkt zu bleiben, bis ich auf den Auslöser drücke. Jedoch ist es nach der Aufnahme fast unvermeidlich, nicht mit der Person zu sprechen, da ich so nah dran bin.

In wie weit respektierst du die Grenzen der Menschen auf der Straße?

Ich versuche nicht, meine Kamera zu verstecken und versuche immer sicherzustellen, dass die Person die ich gerade fotografiert habe auch bemerkt, dass ich sie gerade fotografiert habe. Ich schenke ihnen dann ein freundliches Lächeln, ein „Danke“ oder einen einfachen Daumen nach oben zu. Wenn sie fragen, was ich tue, gebe ich ihnen meine Visitenkarte und erkläre, was Straßenfotografie bedeutet. Wenn du mit deiner Kamera umherschleichst, gerätst du viel eher in Schwierigkeiten. Ich habe das Gefühl die Aufgabe zu haben, den Alltag auf der Straße zu dokumentieren. Sobald ich Kinder fotografiere achte ich immer darauf den Blickkontakt mit den Eltern zu haben und ein einfaches Lächeln zu bekommen oder ein Kopfnicken.

Street-Portraits-Daniel-Eliasson
Fotos aus der Serie „street portraits“, Fotos (c) Daniel Eliasson

Wann hast du dir deine letzte Kamera oder Fotoausrüstung gekauft?

Mein letztes Fotozubehör war Studio-Equipment für mein Fotostudio. Ich hatte 12 Objektive, habe mich aber dazu entschlossen 8 davon zu verkaufen. Also ich denke, ich habe mein GAS (Gear Acquirement Syndrome) überwunden.

Was hättest du gerne schon früher gewusst?

Daniel-Eliasson-Photographer
Selbstportrait Daniel Eliasson, Foto (c) Daniel Eliasson

Meine Philosophie ist, dass der Klavierspieler nicht besser spielt, nur weil er sich ein anderes Klavier kauft. Besser ist es die Energie ins fotografieren lernen zu stecken, als immer neuer Ausrüstung nachzujagen. Wenn ich das früher gewusst hätte, hätte ich eine Menge Geld gespart. Also ich beschlossen habe mit einem Objektiv ein Jahr lang zu fotografieren, habe ich mehr gelernt also in 10 Jahren vorher.

Hast du ein Bild, das dich stolz macht?

Meine persönlichen Favoriten sind “The scent of your hair” und “Balloon daddy and his family”. “The scent of your hair” habe ich in der Straßenbahn Göteborg im Februar fotografiert – spät in die Nacht. Ich mag dieses sanfte Gefühl und die Zeitlosigkeit des Fotos. Dieses Foto beinhaltet alles, was ich an Straßenfotografie so liebe.

“Balloon daddy and his family” ist ein weiterer Favorit, und ich bin wirklich ein wenig stolz auf mein Timing. Ich sah die Familie auf der anderen Seite der Straße. Ich hob meine Kamera und wartete auf den richtigen Moment den Auslöser zu drücken. Ich hatte einen Schuss und es war perfekt. Der Ballon war perfekt ausgerichtet. Die Mutter war in der Mitte der Stufe, und die Kinder, die sich gegenseitig necken. Was ich mag ist, dass die Mutter und das „Gehen Zeichen“ ein tolle Wiederholung bilden, die das Foto abrunden. Ich hab es auch in Göteborg fotografiert.

Auf welche Herausforderung freust du dich?

Meine erste große Ausstellung ist vor ein paar Wochen in Göteborg gestartet. Die Eröffnung hatte mehr als 100 Besucher während 3 Stunden, weit über meiner Erwartung. Zudem habe ein paar von Veranstaltungen und Workshops geplant.

image-Daniel-Eliasson
“Balloon daddy and his family”, Foto (c) Daniel Eliasson

Mehr über Daniel findet ihr hier:

Become A Rockstar Photographer – Konzertfotograf Matthias Hombauer im Interview

AtariTeenageRiot-Konzertfotografie-Tipps

Mein erstes Mal Konzertfotografie hatte ich bei der schottischen Indierock-Band Mogwai. Nach etwas Bemühung bei der Plattenfirma habe ich einen Fotopass bekommen. Ich musste mich mühsam mit der Fototasche durch die Menge nach vorne schieben. Vorne angekommen, hörte ich vom 2 Meter hoch-wie-breiten Security-Mann „Three songs, no flash„.  Drei Songs? Kein Blitz? Gedränge? Wie mache ich da ein gutes Foto? Wie machen das denn die Profis der Musikfotografie?

Kürzlich hatte ich die Gelegenheit mit Matthias Hombauer zu sprechen. Matthias ist professioneller Konzertfotograf. Er fotografierte sowohl bei Stadionkonzerten wie The Rolling Stones oder Miley Cyrus, begleitete Bands wie Elvis Costello und Peter Gabriel auf ihrer Tour, porträtierte den britischen Sänger Andrew Roachford und fotografierte Bands wie The Prodigy backstage.

Wie wird man eigentlich Musikfotograf?

Matthias ist viele Tage im Jahr mit diversen Musikern auf Tour, schreibt Bücher über Musikfotografie, gibt Workshops und weiß, wie es ist Rockstars zu fotografieren. Ich habe ihm ein paar Fragen zu seiner Konzertfotografie, seiner Kameraeinstellung und seinem Equipment gestellt. Hier findest du wertvolle Tipps für Musikfotografie und erfährst mehr über Kameraeinstellungen beim Konzerte fotografieren.

The Prodigy, Backstage. Foto Musikfotograf Matthias Hombauer
„Ich hatte bei The Prodigy nur 30 Sekunden Zeit um das Gruppenfoto zu realisieren. Das kann mit unter schon sehr stressig sein“ / The Prodigy, Backstage. Foto (c) Matthias Hombauer

Wie bist Du zur Fotografie gekommen?

Angefangen hat alles mit einer Lomo Compact Automatic (LCA), einer alten russischen analogen 35mm Kamera. Die erste Spiegelreflex Kamera habe ich mir auf einer Reise nach Hongkong gekauft. Mit dieser habe ich die ersten Erfahrungen in der digitalen Fotografiewelt gesammelt.

Wie ist es eine Band wie The Prodigy Backstage zu fotografieren?

Musikfotograf-Mathias-Hombauer
Musikfotograf Matthias Hombauer. Foto (c) Matthias Hombauer

Wenn man direkt mit Bands zusammenarbeitet ist das schon etwas ganz besonderes. Man wird für einen Abend Teil dieser Band und hat die Möglichkeit exlusive Fotos zu schießen. Durch Zeitmangel kann es jedoch vorkommen, daß ein Backstage-Fotoshooting sehr spontan umgesetzt werden muß. Zum Beispiel hatte ich bei The Prodigy nur 30 Sekunden Zeit um das Gruppenfoto zu realisieren. Das kann mit unter schon sehr stressig sein.

Mit welchem Equipment fotografierst Du bei Konzerten hauptsächlich?

Ich arbeite mit einer Nikon D700 und D800 mit jeweils einem Nikon 24-70mm f2.8, Nikon 80-200mm f2.8, Nikon 85mm f1.4 und einem Samyang 14mm f2.8. Ich verwende Fixbrennweiten mit einer großen Blende bei sehr schwierigen Lichtverhältnissen. Nachdem nur eine eingeschränkte Bewegungsfreiheit vor der Bühne gegeben ist, sind Zoomobjektive ebenfalls unerlässlich. Bei Stadienkonzerten wie z.b. The Rolling Stones oder Miley Cyrus leihe ich mir dann zusätzlich auch schon einmal ein 300mm oder 400mm Objektiv aus. Der Grund dafür ist nicht die große Bühne, sondern die Beschränkung aus 20-30m Entfernung zu fotografieren.

Erinnerst Du Dich noch an das erste Konzert, das Du fotografiert hast?

Das erste Konzert war „Tv On The Radio“ in der Arena Wien. Ich kann mich noch sehr gut daran erinnern. Ich war so sehr mit der Kamera beschäftigt, sodass ich fast vergessen habe was vor mir auf der Bühne passiert. Die ersten drei Lieder waren schnell vorbei und am Ende hatte ich Hunderte von Fotos auf der Speicherkarte.

Roachford-Hombauer-Musiker-Portrait
Sänger Roachford im Portrait. Foto (c) Matthias Hombauer

Wie unterscheidet sich das Künstlerportrait von dem Live-on-Stage Foto?

Die Arbeitsweise bei Künstlerportraits ist eine völlig andere. Im Fotograben habe ich nicht die Möglichkeit über die Lichtverhältnisse und die Bühnenpräsenz des Künstlers zu beeinflussen. Bei Künstlerportraits kann ich mich besser vorbereiten, wobei diese Portraitshootings meist nicht länger als fünf Minuten dauern. Ich habe daher immer schon eine genaue Vorstellung wie das finale Foto aussehen soll. Mir macht sowohl die Live- wie auch die Portraitfotografie gleich viel Spass.

Was reizt Dich so an der Musikfotografie?

Während meiner Doktorarbeit in molekularer Biologie kam mir die Idee meine beiden Leidenschaften – Fotografie und Musik – zu verbinden. Somit habe ich mein Hobby schlussendlich zum Beruf gemacht. Für mich ist die Musikfotografie eine der spannendsten Felder in dieser Branche.

„… dem Betrachter das Gefühl zu gebe, als ob er selbst beim Konzert dabei gewesen ist.“

Wie würdest Du Deinen fotografischen Stil beschreiben?

Ich denke für einen Fotografen ist es schwer seinen eigenen Stil zu beschreiben. Menschen erzählen mir, dass sie meinen Fotografiestil erkennen, wenn sie meine Fotos sehen. Meine Konzertfotos sind meist kontrastreich und ich achte auf eine schlichte Komposition z.B. lege ich viel Wert darauf die Regeln des „goldenen Schnittes“ einzuhalten.

Wie leicht ist es für dich bei Livekonzerten dein gewünschtes Motiv zu isolieren vom Hintergrund?

Die Schwierigkeit bestet darin, störende Bühnenelemente im Hintergrund zu minimieren. Das macht man am besten durch die Wahl einer großen Blende (kleinen Blendenzahl), da aufgrund dieser Einstellungen der Hintergrund verschwommen erscheint (Stichwort: BOKEH).

Was zeichnet Deiner Meinung nach ein tolles Foto aus?

Für mich zeichnet ein tolles Fotos aus, wenn es gelingt, dem Betrachter das Gefühl zu gebe, als ob er selbst beim Konzert dabei gewesen ist.

AtariTeenageRiot-Konzertfotografie-Tipps
AtariTeenageRiot. Foto (c) Matthias Hombauer

Spielt der Zufall bei Deinen Arbeiten eine große Rolle? Kann man bei Konzerten wirklich planen?

Durch die schwierigen Lichtverhältnisse auf der Bühne und die Tatsache, dass man als Fotograf keinen Einfluss auf die Musiker nehmen kann, gestaltet es sich schwierig den richtigen Moment einzufangen. In der Regel fotografiere ich 200-300 Fotos während der ersten drei Songs, um dann die besten Fotos auszuwählen. Beobachten ist sehr wichtig! Aber als Konzertfotograf hat man ja keinen Einfluß auf die Bühnenshow des Künstlers, deswegen ist es eine gute Strategie sehr viele Momente festzuhalten. Mit jeder weiteren Konzerterfahrung steigt die Anzahl der guten Fotos.

Wie empfindest Du die technische Entwicklung in den letzten Jahren?

Die technische Entwicklung und daher der günstigere Preis des Equipments in den letzten Jahren hat dazu geführt, dass es immer einfacher wird Konzertfotograf zu werden. Ein Problem liegt aber darin, dass viele neue Fotografen die geschäftliche Komponente außer acht lassen. Viele glauben, nur weil es ihr Hobby ist, ist es auch gut, ihre Fotos zu verschenken. Das führt dazu, dass der Markt in sich zusammenbricht und es schwer ist anständig für seine professionellen Leistungen bezahlt zu werden. Ich denke aber, dass es ein allgemeines Problem in kreativen Berufen ist.

Für mich ist die technische Weiterentwicklung nicht so wichtig und ich fotografiere Künstlerportraits oft noch mit analogen Mittelformatkameras.

Du hast ein Projekt gestartet um anderen Menschen die Musikfotografie beizubringen. Wie kam es dazu?

Als ich anfing Konzertfotografie als meine Leidenschaft zu entdecken begann ich Artikel für internationale Fotografie-Blogs wie Petapixel und Digital Photography School zu schreiben. Die positiven Rückmeldungen zeigten mir, daß es viele interessierte und begeisterte Fotografen weltweit gibt, die mehr über Musikfotografie lernen wollten. Daher entstand die Grundidee, mein ganzes Wissen im Bereich der Konzertfotografie zusammen zu fassen und das Projekt „How To Become A Rockstar Photographer“ zu starten.
Des weiteren habe ich auch das ebook „Guide To Rockstar Concert Photography“ geschrieben. Dabei handelt es sich um eine Schritt-für-Schritt Anleitung, wie man selbst Musikfotograf werden kann. Es beinhaltet Themen wie man sich auf das erste Konzert vorbereitet, welches Equipment und Kameraeinstellungen verwendet werden, bis hin zu Themen wie man im Musikbusiness Akkreditierungen erhält und was man als Tourfotograf beachten muss.

Was sind Deine meist genutzten Kameraeinstellungen?

1. Fotografiere mit Offener Blende (kleinste Blendenzahl z.B. f1.8, f2.8)
2. Verwende schnelle Belichtungszeiten (>1/200 sec)
3. Meist sind hohe ISO Einstellungen nötig, daher ist es ratsam eine Kamera zu verwenden, welche mind. ISO 6400 bewerkstelligt.

Womit bearbeitest Du Fotos im Nachhinein?

Ich verwende für die Nachbearbeitung meiner Konzertfotos ausschließlich Adobe Lightroom. Mit dieser Software ist es möglich viele Fotos auf einfachem Wege zu bearbeiten. Ich verwende auch meine eigenen Lightroom Presets. Das sind Vorlagen die mir helfen Basisparameter wie Helligkeit, Kontrast und Sättigung mit einem Klick anzupassen. Die Nachbearbeitungszeit wird aufs Minimum reduziert.

Wer sind Deine fotografischen Vorbilder?

Einer meiner Vorbilder ist sicherlich Anton Corbijn. Er hat mit Bands wie U2, The Rolling Stones, Depeche Mode, Nirvana und Arcade Fire zusammengearbeitet und sein Stil ist unverkennbar. Weiters liebe ich die skurrilen Schauspieler-Portraits von Martin Schoeller. Meiner Meinung nach ist es wichtig Vorbilder zu haben aber als Fotograf muss man seinen eignen Stil und seine eigene Vision finden damit man sich aus der Masse herausheben kann

Im Hinblick auf fotografieren lernen: Was hättest Du gerne damals gewusst?

Es gibt sehr wenig Literatur darüber, wie man Musikfotograf wird. Ich habe von ganz unten angefangen. Mittlerweile weiß ich, worauf es im Musik Business ankommt. In den letzten Jahren bin ich meinen eigenen Weg gegangen. Die Zeit des Lernens möchte ich jedoch nicht missen. Weil ich glaube, dass jeder seine eigenen Erfahrungen machen muss. Und jetzt freue ich mich, wenn ich anderen meine Tipps geben kann.

Hast Du ein Foto, auf das Du besonders stolz bist?

Eines meiner Lieblingsfotos ist ein Konzertfoto der britischen Band FINK das im Wiener WUK entstanden ist. Das Management der Band hat mich anschließend kontaktiert und gesagt, dass sie mein Foto im Booklet ihres Live Albums „Wheels turn beneath my feet“ verwenden wollen. Das sind die Momente im Leben eines Musikfotografen auf die man besonders stolz ist. Mittlerweile habe ich mit der Band schon einige Male zusammen gearbeitet und werde auch ihre Österreich Tour im nächsten Jahr als Tourfotograf begleiten.

Fink im WUK in Wien. Foto (c) Matthias Hombauer.
Fink im WUK in Wien. Foto (c) Matthias Hombauer.

Was sind Deine nächsten Herausforderungen, auf die Du dich besonders freust?

Herausforderungen gibt es immer und ich denke dieses Jahr habe ich schon einige davon gut gemeistert. Ich habe die deutsche Balkan Band Shantel & Bucovina Club Orkestar auf ihrer Welttournee begleitet, ich bin mit Elvis Costello und Peter Gabriel getourt, mein Projekt „How To Become A Rockstar Photographer“ hat weltweit Fans begeistert und ich habe bereits erfolgreich meinen zweiten Konzertfotografie Workshop in Wien absolviert.

Das nächste Projekt, auf dass ich mich besonders freue ist die Zusammenstellung und Veröffentlichung eines Bildband über Shantel, Ich habe 25 Shows fotografiert und das Buch wird im Frühjahr 2015 erscheinen.

*

Mehr Infos zu Matthias findet ihr auf seine Webseite:
howtobecomearockstarphotographer.com

Ich wollte einfach den Leuten zeigen, wie viele wunderschöne Orte es gibt – Fotograf Simon Markhof im Gespräch

Autumn Breeze: Herbsstimmung am Fichtelsee. Foto (c) Simon Markhof.
Interview Simon Markhof
Aus der Serie „Into the Night“, Foto (c) Simon Markhof

Ich weiß nicht mehr genau, wie ich auf Simon Markhof aufmerksam geworden bin. Aber es gab da dieses Foto, welches ich eine gefühlte Ewigkeit anschauen musste. Es ist einfach so wundervoll und beeindruckend. Entstanden ist es in der Fotosession „Into the night“ – zu sehen auf Simons Blog.

Das Thema Landschaftsfotografie und insbesondere Nacht und Sternenhimmel finde ich faszinierend. Noch spannender finde ich es die Geschichten dahinter zu erfahren und vielleicht auch dadurch etwas mehr über die Art der Fotografie zu lernen.

Daher freue ich mich, dass Simon Lust hatte ein paar Fragen auf IG-Fotografie.de zu beantworten.

Wie bist Du zur Fotografie gekommen?

Auch wenn er es heute sicher bestreiten würde hat mich mein langjähriger Schulfreund Tobias Rumler das erste Mal wirklich mit der Fotografie als solches konfrontiert. Ich war damals wirklich beeindruckt von einem Bild, dass es vermutlich schon lange nicht mehr gibt. Es handelte sich um ein – aus heutiger Sicht – ziemlich rauschiges und etwas übersättigtes Foto von einem Windpark bei Sonnenuntergang. Tobias war damals auch noch in den Anfängen seiner fotografischen Laufbahn und es war eben die Art von Foto, die einen beeindruckt, wenn man nichts damit zu tun hat. Das war vor ca. 9 – 10 Jahren am Ende meiner Schulzeit und ist mir immer noch im Gedächtnis.

Simon Markhof im Gespräch
Simon Markhof im Gespräch

Ich fing darauf hin an mit meiner Kompaktkamera zu experimentieren. Ich wollte lernen wie das alles funktioniert, was gut aussieht und warum es gut aussieht. In der darauffolgenden Zeit war ich immer daran interessiert alles festzuhalten. Es ging mir zuerst gar nicht so sehr um die Qualität der Fotos, sondern vielmehr um den Spaß am Fotografieren und dem dahinterstehenden Lernprozess, der am Anfang natürlich noch sehr eingeschränkt war.

Meine damalige Kamera, eine Casio Exilim mit 3MP, gab den Rahmen vor, in dem ich mich bewegen konnte. Die Natur war dabei schon immer mein liebstes Motiv.

2008 ergab es sich dann, dass ich den Einstieg in die Fotografie mit einer digitalen Spiegelreflex (einer ziemlich rudimentären Version davon) fand. Ich wollte unbedingt Landschaften weitwinkliger fotografieren können und ging in den Fotoladen um mir eine Vorsatzlinse für meine Kompaktkamera zu kaufen. Der kompetente Verkäufer hatte eine Engelsgeduld mit mir und erklärte mir die Vorteile der Spiegelreflex, ohne dabei den Anschein zu machen unbedingt zu einem Verkaufsabschluss kommen zu müssen.

Nach einigen Tagen der Überlegung kratzte ich mein Erspartes zusammen – ich war damals noch Auszubildender und das Geld war knapp – und gab ca. 500,- € für ein Nikon D40 Kit aus, welches sich von da an schnell zu meinem wertvollsten Besitz mauserte.

Das Fieber hatte mich gepackt und ich habe mich in allen Arten der Fotografie ausprobiert Portrait, Makro, Stillleben, Tiere, Produkte usw. um letztendlich wieder bei der Landschaftsfotografie zu landen, die mich nach wie vor am meisten begeistert.

Interview Simon Markhof
Foto (c) Simon Markhof

Mit welchem Equipment fotografierst Du Deine Langzeit-, Nacht- und Landschaftsfotografie?

Da ich mit einer Nikon ins Spiegelreflex-Business eingestiegen bin, bin ich verständlicherweise auch dabei geblieben. Heute fotografiere ich eigentlich alle genannten Bereiche mit einer Nikon D7000, die mir gehört. Neuerdings leihe ich mir hin und wieder auch eine D610, die ich mir wahrscheinlich auch in näherer Zukunft zulegen werde.

Die Auswahl des Objektivs hängt natürlich immer von der Situation ab, aber für diese Art von Fotos liebe ich mein Sigma 10-20mm wegen dem großen Aufnahmewinkel. Aber auch mein Nikkor 24-70mm, f2.8 verwende ich seit der Anschaffung ganz oft für Landschaftsaufnahmen. Je nachdem, ob mir die Abbildungsleistung oder der Weitwinkel für das Ergebnis wichtiger erscheint entscheide ich eigentlich nur zwischen diesen beiden Objektiven.

„Darüber hinaus habe ich mich in die Langzeitaufnahmen am Tag verliebt, weil man so einfach Situationen abbilden kann, die man eigentlich nicht zu Gesicht bekommt.“

Darüber hinaus habe ich mich in die Langzeitaufnahmen am Tag verliebt, weil man so einfach Situationen abbilden kann, die man eigentlich nicht zu Gesicht bekommt. Dafür nutze ich einen LEE Big Stopper, der schon mal den Tag zur Nacht macht. Das positive dabei ist, dass ich aufgrund des gleichen Filterdurchmessers der oben erwähnten Objektive auch nur einen Adapter dafür benötige und so ist in meiner Tasche meistens auch noch etwas Platz.

Mit Stativen hatte ich bisher sehr viel Pech. Eines ist gebrochen, eines ist vom Salzwasser korrodiert und lässt sich nicht mehr ausziehen und so weiter. Stative und ich haben eine ganz besondere Geschichte – aber leider keine gute. Derzeit arbeite ich mit einem MeFoto GlobeTrotter, das ich mir bedauerlicherweise auch immer ausleihen muss. Noch bin ich mir nicht sicher, welches das nächste Stativ wird.

Für Nachtaufnahmen sind natürlich Fernauslöser notwendig, um Verwacklungen durch den nervösen Shutterfinger zu vermeiden. Aber hier habe ich einfach ein Produkt eines Fremdanbieters gewählt, das alles kann was ich brauche, nämlich die Kamera auslösen. Zur sonstigen Standardausrüstung in meinem Rucksack gehören darüber hinaus noch ein Circular Polfilter, ein weiches Tuch mit dem man die teuren Linsen säubern kann und noch anderer Kleinkram, der aber für die eigentlichen Aufnahmen selten eine Rolle spielt.

Interview Simon Markhof Fotografie
Foto (c) Simon Markhof

Kannst Du Dich noch an das erste Foto erinnern, das Du fotografiert hast?

Ich weiß nicht ob es wirklich das erste meiner Fotos war, aber an eines der ersten kann ich mich noch sehr gut erinnern. Ich war ca. 9 Jahre alt und hatte eine quietschgelbe Analogkamera mit Animationssounds um Leute zum Lachen zu bringen – was übrigens nie funktioniert hat, aber das lag vielleicht auch an der inflationären Benutzung der immer gleichen Sounds durch meine Wenigkeit. Als stolzer kleiner Racker habe ich damals meine nagelneuen Adidas Fußballschuhe in meinem Kinderzimmer drapiert und abgelichtet. Ich konnte es kaum erwarten bis ich die Bilder zu Gesicht bekam. Ich muss heute noch lachen, wenn mir das Bild in die Hände fällt.

Neben meinen allerersten Gehversuchen meinst du sicherlich die ernsthaftere Fotografie. Hier war es ein Foto von Regentropfen auf einem Blatt, das mich total begeistert hat. Aus heutiger Sicht war das Foto nicht besonders, aber ich mag es immer noch. Bei allen anderen Fotos die ich so am Anfang gemacht habe stellen sich mir heute meist die Nackenhaare auf, aber zu diesem Bild habe ich einen sehr emotionalen Bezug. Ich glaube, dass es genau dieses Foto war, dass den Unterschied zwischen knipsen und fotografieren gemacht hat und das mich auf den Weg gebracht hat, auf dem ich mich heute befinde.

„Auch die Natur hat mal schlechte Laune und ich gehe frustriert nach Hause ohne den Shot, den ich im Kopf hatte.“

Deine Schwerpunkte liegen im Bereich Landschaftsfotografie. Gibt es dafür spezielle Gründe bzw. welchen Reiz üben diese Bereiche auf Dich aus?

Landschaftsaufnahmen empfand ich schon immer als etwas ganz Besonderes. Wenn ich früher, als ich noch nicht fotografierte, einen großformatigen Druck von Orten gesehen habe, die man selbst so vielleicht nie zu Gesicht bekommt, weckte das immer das Fernweh in mir. Die Vielfalt von Aufnahmen faszinierte mich jedes Mal.

Von Regenwald bis zu Gebirgsketten gibt es auf der Welt so viele wunderbare Orte. Als ich dann mit der Fotografie begann kam es einfach irgendwie, dass ich mich am meisten damit beschäftigte wie man Landschaftsszenerien am besten auf den Sensor bekommt. Ich wollte einfach den Leuten zeigen, wie viele wunderschöne Orte es gibt. Ihnen das Gefühl zu geben, das man selbst im Moment der Aufnahme hatte, das ist eigentlich der Reiz den das Ganze für mich hat. Dazu kommt, dass man völlig frei von anderen ist. Es ist für mich kein Problem mit meiner Kamera loszuziehen und einfach mehrere Stunden unterwegs zu sein.

Mit einem Model wäre das schon schwieriger. Da ist man dann auch von der Laune und dem Durchhaltevermögen der Models abhängig. Je nachdem wird das Ergebnis besser oder eben schlechter. So gesehen ist natürlich die Natur mein Model. Auch die hat mal schlechte Laune und ich gehe frustriert nach Hause ohne den Shot, den ich im Kopf hatte. Aber dann gehe ich einfach ein anderes Mal wieder nach draußen. Das Gute ist, dass ich einfach von niemandem abhängig bin.

Interview Simon Markhof Fotografie
Foto (c) Simon Markhof

Wie würdest Du Deinen fotografischen Stil beschreiben?

Das ist eine schwierige Frage. Auf Landschaftsaufnahmen bezogen versuche ich die Aufnahmen immer relativ realistisch zu halten. Dabei habe ich aber gerne einen Teil des Bildes, der etwas zeigt, was man sonst nicht so wahrnimmt. Ich liebe es z.B. Teile von Landschaften per Langzeitbelichtung verschwimmen zu lassen (wie. z.B. Wasser oder Wolken). Das gibt dem Bild noch einmal eine besondere Note. Dabei versuche ich aber immer nicht zu kitschig zu werden.

„Ich will dem Betrachter die Situation so zeigen, wie ich sie empfunden habe.“

Ich würde mich jedoch nicht einer festen Richtung zuordnen. Das überlasse ich gerne anderen. Ich versuche das Foto immer so zu gestalten, dass es die Aufnahmesituation am besten wiedergibt. Was mir allerdings sehr wichtig ist, ist dass meine Fotos natürlich wirken. Ich will dem Betrachter die Situation so zeigen, wie ich sie empfunden habe. Derjenige, der das Foto sieht soll sich in die Situation, in den Moment der Aufnahme hineinversetzen können.

Was zeichnet Deiner Meinung nach ein tolles Foto aus?

Neben technischen Aspekten wie Komposition, Belichtung, Schärfe etc. die unabdingbare Grundlage für ein gutes Foto sind ist es für mich oft einfach die Geschichte hinter dem Bild die aus einem Foto etwas Besonderes macht. Es gibt sehr viele technisch gute Fotografen da draußen, aber ich habe das Gefühl, dass in dem digitalen Zeitalter ein gutes Foto immer weniger wert wird. Man scrollt durch die „Popular-Galerie“ auf 500px.com und sieht sich ein Foto im Durchschnitt 2-3s an. Dann hinterlässt man entweder sein „Gefällt mir“ oder eben nicht. 2 Sekunden später hat man das Foto auch schon wieder vergessen.

Eine größere Wertschätzung der Arbeit eines Fotografen ist heute doch eher selten. Auf anderen Plattformen läuft es ganz genauso. Die meisten Leute lesen keine Bildbeschreibungen mehr. Das ist wirklich schade. Denn oft ist die Story, die hinter dem Foto steckt ein wichtiger Bestandteil des Bildes. Erst wenn man die Geschichte kennt kann man einen Bezug zum Bild aufbauen. Sie gehört quasi genauso zu dem Foto wie die Exif-Daten.

Was mir auch gefällt ist, wenn ein Bild einfach Emotion transportiert. Wenn man beim ersten Blick emotional gefangen ist – und es gibt Leute, die das wirklich gut können – dann ist es auch ein gutes Foto, wenn es technisch nicht perfekt ist. Letztendlich ist die Fotografie aber ein Handwerk, das einfach gewissen Regeln folgt. Wenn man diese beachtet wird das Ergebnis tendenziell besser, als wenn man einfach drauf los knippst. Wenn man die Regeln beherrscht kann man diese gezielt brechen und damit einen Überraschungseffekt erzielen. Und diese Regeln machen oft den Unterschied zwischen gut und – naja, sagen wir – nicht so gut.

Spielt der Zufall bei Deinen Arbeiten eine große Rolle oder ist vieles geplant?

Natürlich kann man vieles planen, aber die Natur hält immer Überraschungen bereit, somit würde ich das mit dem Zufall schon bejahen. Grundsätzlich werden die Shootings schon geplant und vor allem auf Reisen, wo mittlerweile die meisten Fotos entstehen, hat man oft einen straffen Zeitplan. Aber ein wenig Glück muss man immer haben. Oft muss man Shoots 3-4 mal wiederholen, bis das man das Licht oder die Stimmung bekommt, die man sich vorgestellt hat.

„Ein gutes Foto kann man nur machen, wenn man die Kamera dabei hat.“

Manche Fotos entstehen aber auch ganz spontan, z.B. am Straßenrand während einer Fahrpause o.ä. Das hängt auch immer ein wenig von der Situation ab. Meine wichtigste Regel lautet aber „Ein gutes Foto kann man nur dann machen, wenn man die Kamera dabei hat“. Viel zu oft habe ich mich schon geärgert, dass ich meine Kamera in gewissen Situationen nicht zur Hand hatte. Das passiert mir so schnell nicht wieder!

Wie empfindest Du die technische Entwicklung in den letzten Jahren?

Es ist unglaublich was heutzutage möglich ist. Mich fasziniert es immer wieder, wie Hersteller und auch Fotografen die Limits immer weiter nach oben pushen. Das ist auch gut für die eigene Motivation, denn so setzt man sich auch selbst immer wieder neue Ziele und versucht immer besser zu werden.

Was zum Beispiel neue Kameras für einen verhältnismäßig geringen Preis bieten war bis vor einiger Zeit schier undenkbar. Auch Fotocommunities und Bearbeitungsprogramme erleichtern das Leben aller digitalen Fotografen ungemein. Das ist schon beeindruckend, wie diese Industrie sich stetig weiterentwickelt. So gut wie ich das auf der einen Seite finde, so hat es natürlich auch seine schlechten Seiten. Durch die Erschwinglichkeit einer soliden Fotoausrüstung sieht man immer mehr Fotos auf dem Markt und jeder ist plötzlich Fotograf und vergisst dabei, dass es sich bei der Fotografie um ein Handwerk handelt, dass eine 3 jährige Lehrzeit voraussetzt. In diesem Sinne bin auch ich kein Fotograf.

Man muss immer bedenken, dass eine gute Ausrüstung und ein paar Nachbearbeitungsskills einen noch lange nicht zum professionellen Fotografen machen. Da gehört leider noch eine Menge mehr dazu. Auch die technische Entwicklung trägt immer mehr dazu bei, dass ein Foto heutzutage nicht mehr die richtige Wertschätzung erhält. Leute zahlen bei Fastfoodketten locker mal 7€ pro Menü für Essen, das nicht besonders gut schmeckt. Möchte man aber Bilder einer Veranstaltung für 5€ pro Stück an den Mann bringen erntet man nur seltsame Blicke. Das empfinde ich als ein wenig schade. Das ist aber eher ein gesellschaftliches Problem und wird durch den technischen Fortschritt nur unterstützt.

Du fotografierst ja nicht nur Landschaft. Was sind die meist gestellten Fragen in Deinen People Fotoshootings?

Oh, das kann ich so gar nicht beantworten, da jedes Shooting mit Leuten unterschiedlich ist. Und so viele Porträtaufnahmen fremder Leute mache ich ja gar nicht. Die meisten sind langjährige Freunde, die mir da vertrauen und die ich auch ganz gut kenne. Aus der Erfahrung heraus kann ich sagen, dass man den meisten Fragen entgegenwirken kann, wenn man demjenigen vor der Kamera vorher die Angst/Unsicherheit nimmt.

Ein nettes Gespräch, ein wenig Smalltalk und Erklärungen wie das Ganze am besten abläuft, das hilft schon sehr. Lockere Atmosphäre mit ein wenig Hintergrundmusik zu schaffen finde ich auch immer gut. Leute die nicht so oft vor der Kamera stehen haben meistens Angst, wenn man Ihnen eine Linse mit 72mm Durchmesser ins Gesicht hält. Da hilft es den Leuten oft schon, wenn sie den Menschen hinter der Kamera erst einmal ein wenig besser kennenlernen, bevor sie sich dann als Model vor die Kamera begeben. Auf konkrete Fragen kann ich das aber leider gar nicht reduzieren.

Was sind Deine meist genutzten Kameraeinstellungen im Hinblick auf Blende, ISO und Belichtungszeit?

Bei Landschaftsaufnahmen ist die Blende natürlich eher geschlossen, also so zwischen f8 und f14 bewege ich mich da meistens. Da das Licht sehr unterschiedlich ist bei verschiedenen Aufnahmesituationen versuche ich einfach richtig zu belichten und ggf. die Belichtungszeit anzupassen. Unabhängig von den Gegebenheiten versuche ich dabei die ISO so gering wie möglich zu halten, da Bildrauschen mein – Sheldon Cooper lässt grüßen – persönlicher Todfeind ist.

Manchmal lässt sich eine höhere ISO nicht verhindern, aber das versuche ich schon bei 100 zu halten. Meistens gelingt das auch. Was ich als sehr nützlich empfinde ist die Belichtungsreihe, so kann man auch ein wenig experimentieren wie das Bild dann heller oder dunkler aussieht. Und das Stativ ist natürlich Pflicht. Ohne Stativ geht eigentlich gar nichts.

„Ich bin der Meinung, dass man aus einem schlechten Bild auch mit der teuersten Software kein Meisterwerk macht.“

Welche Rolle spielt die Bearbeitung und womit bearbeitest Du Deine Fotos im Nachhinein?

Bestenfalls spielt die Bearbeitung keine große Rolle. Eine gut komponierte Aufnahme kann eigentlich mit allen gängigen Bearbeitungsprogrammen optimiert werden. Da muss es nicht immer die teuerste Option sein. Ein wenig Kontrast hier, ein wenig Farbanpassung da. Das geht eigentlich mit jeder handelsüblichen Software. Die Marke und der Umfang sollte dabei für Leute die das Fotografieren lernen möchten gar nicht im Vordergrund stehen.

Viel wichtiger ist das Verständnis von Bildwirkung und dem was realistisch und was unnatürlich wirkt. Gerade in der Landschaftsfotografie ist das oft ein schmaler Grat der über Erfolg oder Misserfolg entscheidet. Bearbeitung sollte am Anfang sowieso nicht das sein, womit man die meiste Zeit verbringt. Am wichtigsten bleibt der Moment der Aufnahme! Alles was man hier richtig macht muss man in der Bearbeitung nicht korrigieren. Das wird meist vergessen. Ich bin der Meinung, dass man aus einem schlechten Bild auch mit der teuersten Software kein Meisterwerk macht. Lieber ein wenig mehr Zeit in das Foto an sich stecken als in die Bearbeitung. Es soll ja auch realistisch bleiben. Optimieren kann man dann mit jedem Programm, das in den finanziellen Rahmen jedes einzelnen passt.

Wer sind Deine fotografischen Vorbilder?

Wenn ich diese Frage mit nur einem Namen beantworten sollte, dann wäre das sicherlich die Arbeit von dem südafrikanischen Landschaftsfotografen Hougaard Malan. Jedes seiner Fotos ist einfach technisch perfekt und wirkt dabei so natürlich als würde man die Szenerie selbst betrachten. Das fasziniert mich jedes Mal aufs Neue. Daneben gibt es aber noch viele andere Fotografen, deren Werke mich inspirieren. Marc Adamus zum Beispiel schafft mit jedem Foto eine absolut unglaubliche Stimmung, der man sich kaum entziehen kann. Diese Fotos sind allerdings nicht jedermanns Geschmack.

Im Hinblick auf fotografieren lernen: Was hättest Du gerne damals gewusst?

Ach, da bin ich eigentlich ganz froh, dass ich mich da so rein gearbeitet habe. Kritikfähigkeit ist allerdings etwas, dass ich lange Zeit lernen musste, die hätte ich gerne von Anfang an gehabt. Wenn ich gerne etwas gewusst hätte, dann dass Fotocommunities zwar eine tolle Sache sind, in den wenigsten Fällen aber die besten Fotografen die meisten Kommentare abgeben. Oft werden Kommentare dort nur abgegeben um selbst mehr Views/Likes/Faves oder was auch immer zu bekommen. Ein Kommentar wie etwa „so ein schönes Bild“ schmeichelt natürlich jedem und tut der Seele gut, bringt einen aber persönlich und fotografisch leider nicht viel weiter. Wenn jemand sagt „schlechtes Bild“ oder „gefällt mir nicht“ ist man oft geneigt das als nicht qualifizierte Kritik abzutun. Aber ebenso ist ein „Gefällt mir“ keine qualifizierte Kritik, auch wenn es sehr viel besser klingt. Wenn einem aber qualifizierte Leute sagen, was man falsch macht, dann nagt das zwar zuerst an einem, hilft einem aber auch dabei immer besser zu werden. Diese qualifizierten Leute zu finden ist gar nicht so leicht. Das hätte ich gerne von Anfang an verstanden.

Hast Du ein Foto, auf das Du besonders stolz bist?

Auf viele meiner Fotos bin ich stolz. Wäre ja auch schlimm wenn nicht. Sicher sind die Fotos aus Neuseeland ein Highlight meiner fotografischen Laufbahn. Ich mag zum Beispiel eine Foto aus dem Tongariro National Park, Neuseeland ganz besonders.

Tongariro National Park, Neuseeland
Tongariro National Park, Neuseeland, Foto (c) Simon Markhof

Aber auch auf die Fotos aus meiner Heimat, dem Fichtelgebirge, bin ich teilweise sehr stolz, weil ich damit den Leuten zeigen kann wie wunderschön es hier ist.

Autumn Breeze: Herbsstimmung am Fichtelsee. Foto (c) Simon Markhof.
Autumn Breeze: Herbsstimmung am Fichtelsee. Foto (c) Simon Markhof.

Was sind Deine nächsten Herausforderungen, auf die Du dich besonders freust?

Die wahrscheinlich größte Herausforderung steht nächstes Jahr an. Da werde ich zusammen mit meiner Freundin ein Jahr lang Australien bereisen und dabei hoffentlich ein paar schöne Bilder ergattern. Da wir noch knietief in den Vorbereitungen stecken kann es noch ein wenig dauern, aber ab nächstem Jahr gibt es dann auch jede Menge Fotos von diesem ganz besonderen Ereignis.


Wer mehr über Simon erfahren möchte, kann sich auf seinem Blog umschauen. Dort gibt es zudem auch alsbald Infos zu seiner geplanten Australienreise. Hierzu könnt ihr euch aber auch die Webseite wombat-chase.com vormerken.

Simon im Netz:

Website & Blog: simonmarkhof.de/photography.html

FB: facebook.com/simonmarkhofphotography

500px: 500px.com/simonmarkhof

Instagram: instagram.com/simonmarkhof (relativ neu)

Fotos: (c) Simon Markhof

Makrofotografie: Der Mikrokosmos in meinem Garten – Interview mit Andrea Tanner

Makrofotografie Spinnen - Interview Andrea-Tanner

Andrea Tanner MakrofotografinAndrea Tanner liebt den Blick für’s Detail. Ihre Welt ist der kleine Moment – die Makrofotografie. Sie erkundet den Mikrokosmos im eigenen Garten, im heimischen Park oder im Wald vor der Tür. Andrea fotografiert erst seit knapp einem Jahr. Ich habe die Gelegenheit genutzt, ihr ein paar Fragen zum schönsten Hobby der Welt zu stellen und mehr über die Makrofotografie zu lernen.

Wie bist Du zur Fotografie gekommen?

Fotografieren habe ich erst im Juni 2013 durch den Kauf meiner ersten, digitalen Spiegelreflexkamera für mich entdeckt. Diese war ursprünglich gedacht, um Schnappschüsse von meiner Familie in besserer Qualität zu machen. Dass es mich so packt, hätte ich nie gedacht. Mittlerweile ist die Kamera mein ständiger Begleiter. Ich habe mir zum Ziel gesetzt, mindestens ein Foto pro Tag zu schiessen. Bis jetzt hat’s gut geklappt. Meistens wurden aus einem auch um einige mehr.

Makrofotografie Falter - Interview Andrea Tanner

„Ich gehöre nicht zu den Geduldigen, welche das Stativ vor eine Blüte platzieren und auf ein Insekt warten.“

Mit welchem Equipment fotografierst Du, wenn du auf Makro-Entdeckungstour gehst?

Ich besitze die Nikon D7000. Zu Beginn nutzte ich das 18- 270mm Reisezoomobjekt von Tamron . Vor gut einem halben Jahr habe ich mir das Sigma 50-500mm Zoom Objekt gekauft. Mit diesem sind auch die ersten guten Makrobilder entstanden. Da das Objektiv mit 2KG relativ schwer ist, habe ich mir vor kurzem noch das Makroobjektiv von SIGMA Objektiv MAKRO 150mm F2.8 EX DG OS zugelegt. Von dem bin ich total begeistert. Ich würde es nicht mehr weggeben.

Da ich Freihand-Fotografin bin, gehöre ich nicht zu den Geduldigen, welche das Stativ vor eine Blüte platzieren und auf ein Insekt warten. Wenn ich ein schönes Insekt gesichtet habe, muss es schnell gehen. Manchmal verfolge ich dieses robbend durch eine Wiese. Hier wäre zusätzliches Equipment störend. Filter habe ich noch nicht genutzt.

Makrofotografie Spinnen - Interview Andrea-Tanner

Kannst Du Dich noch an das erste Foto erinnern, dass Du fotografiert hast?

Ich glaube das waren Sportaufnahmen an einem Fussballspiel meines grösseren Sohnes. Ich habe am Anfang alles Fotografiert was mir irgendwie vor die Linse kam. Viele Bilder wurden aber auch gleich wieder gelöscht. Ich war aber auch unglaublich stolz auf einige der Fotos die ich zu Anfangszeiten geschossen habe. Aber wenn ich diese im Nachhinein betrachte, muss ich manchmal schon etwas schmunzeln. Es ist schon unglaublich wie viel man in einem Jahr dazulernen kann.

Deine Schwerpunkte liegt im Bereich Makro-Fotografie. Welchen Reiz hat dieser Bereich für Dich?

Makrofotografie Libelle - Interview Andrea Tanner

Die Natur hat viel Schönes zu bieten. Als Kinder sind wir der Natur und ihrer Tierwelt mit offenen Augen begegnet. Als Erwachsenen fehlt uns oft die Zeit dazu. Mit der Geburt unserer beiden Söhne habe ich wieder gelernt, die Natur aus den Augen eines Kindes zu betrachten. Stundenlang haben wir im Wald die Ameisen beobachtet, Schnecken und Regenwürmer eingesammelt und und und. Mittlerweile haben sich die Interessen meiner Jungs (12 und 9 Jahre) etwas verlagert und die Waldspaziergänge sind für sie nicht mehr so interessant.

Für gute Motive in der Makrofotografie braucht man nicht weit zu gehen und zu suchen. Es reicht auch schon nur ein kurzer Blick über den Wegrand und schon sieht man z.B. ein kleiner Grashüpfer am Grashalm pausieren oder einen Schmetterling auf Nektarsuche.

Diese schönen und manchmal etwas skurrilen Momente versuche ich mit der Kamera festzuhalten. Leider haben viele Menschen eine Abneigung gegenüber den kleinen Krabbeltierchen. Ich versuche mit meinen Bildern die Tierchen in ein besseres Licht zu setzten, um den Betrachtern die Faszination der einzelnen Lebewesen näher zu bringen. Ich selber bin immer wieder von neuem überrascht, was und die Natur und ihre Tierwelt alles zu bieten hat.

Makrofotografie Kellerassel: Interview Andrea Tanner

Wie würdest Du Deinen fotografischen Stil beschreiben?

Kreative Makrofotografie.

Was zeichnet Deiner Meinung nach ein tolles Foto aus?

Das ist schwierig. Das Bild welches mir heute nicht gefällt kommt ein paar Tage später für mich ganz toll rüber. So habe ich auch schon das eine oder andere Bild beim durchstöbern des Bildarchivs „neu“ entdeckt. Deshalb lösche ich wirklich nur die ganz misslungenen Bilder.

Spielt der Zufall bei Deinen Fotos eine große Rolle? Kannst du die „kleinen Momente“ planen?

Vieles ist dem Zufall überlassen. Manchmal plan ich auch kleinere Projekte, wie zum Beispiel gespiegelte Bilder von Blüten mit und ohne Insekten, welche auf unserem Gartentisch entstehen. Während der Fussball WM kam mir auch die Idee, Insekten mit einem Fussball zu posieren. Da musste ich lernen etwas mehr Geduld zu haben. Die Tierchen wollten nicht immer so, wie ich wollte. So musste ich vieles dem Zufall überlassen.

Makrofotografie Heuschrecke - Interview Andrea Tanner

Wie empfindest Du die technische Entwicklung in den letzten Jahren?

Das ist für mich schwierig zu beantworten. Einerseits weil ich erst seit einem Jahr Fotografiere und ich im Grunde genommen keine Ahnung von der Technik habe. Ich habe bis jetzt noch nicht einmal die Gebrauchsanleitung meiner Kamera studiert. So ist es auch bei meinem Laptop, iPhone, Waschmaschine und so weiter. Ich mache es wie meine Kinder. Die haben auch keine Angst und legen einfach mal los. Bei mir passiert irgendwie alles aus dem Bauchgefühl. Aber ich freue mich jedes Mal wie ein Kind, wenn ich wieder eine neue Funktion entdeckt habe.

Was sind Deine meist genutzten Kameraeinstellungen im Hinblick auf Blende, ISO und Belichtungszeit?

ISO habe ich meistens auf 100 eingestellt. Die Blende zwischen 6 und 8 und die Belichtung zwischen 1/100 und 1/250. Ich probiere auch hier einfach ein paar Möglichkeiten aus.

Welche Rolle spielt die Bearbeitung und womit bearbeitest Du Deine Fotos im Nachhinein?

Ich arbeite hauptsächlich mit Picasa und zwischendurch mit Photoshop Elements. Diese Programme nutze ich um die Belichtung anzupassen, das Rauschen zu mindern oder mal nachzuschärfen. Gerne nutze ich auch den Low Key Effekt.

Leider haben ich noch keine Ahnung, wie ich mit den verschiedenen Ebenen Arbeiten könnte. Mir fehlt einfach die Zeit sowie auch die Geduld. Vielleicht würde mir hier mal ein Workshop gut tun

Wer sind Deine fotografischen Vorbilder?

Vorbilder habe ich keine. Es gibt zwar viele Fotografen, welche ich auf Google+ treffe und die unwahrscheinlich tolle Fotos machen. Aber ich eifere niemanden hinterher oder vergleiche mich oder meine Bilder mit denen von jemandem anderem. Ich habe meinen eigenen Stil.

Im Hinblick auf fotografieren lernen: Was hättest Du gerne damals gewusst?

Dass das Fotografieren süchtig macht!

Hast Du ein Foto, auf das Du besonders stolz bist?

Makrofotografie Gelbbauchunke - Interview Andrea Tanner

Da gibt es ganz viele. Aber auf eines bin ich ganz besonders stolz. Es zeigt eine kleine Gelbbauchunke, die gerade um unseren Teich gehüpft. Auf unserem Gartentisch lag noch ein leeres Schneckenhaus und da kam mir die spontane Idee, den kleinen Kerl in das Häuschen zu setzten. Er hat auch ganz toll mitgespielt und dank dem Wasser auf dem Tisch entstand auch die wunderbare Spiegelung.

Was sind Deine nächsten Herausforderungen, auf die Du dich besonders freust?

Ich möchte in Zukunft noch andere Bereiche der Fotografie ausprobieren. Öfter werde ich angesprochen, ob ich auch Portraits mache. Aber dazu fehlt mir noch der Mut. Insekten reklamieren nicht, wenn ich sie nicht gerade von der besten Seite erwischt habe.

Auch die Landschaftsfotografie würde mich sehr interessieren. Mal schauen was die Zeit so alles mit sich bringt. Denn diese braucht es um dieses wunderbare Hobby auszuleben.

 

PS: Nach dem Gespräch mit Andrea muss ich mich nun dringend auch mit dem Thema Makrofotografie beschäftigen. Wie sind eure Erfahrungen damit? Welches Objektiv könnt ihr mir empfehlen, um mit meiner Canon 550d die kleine Welt zu entdecken? 


Andrea Tanner im Internet:

Website: andrea-tanner-fotografie.ch

Google+: plus.google.com/u/0/111035539034963015483

Fotos: Andrea Tanner


Deine kostenlosen Fotografie-Tipps!

Willst du mit mir zusammen fotografieren lernen? Dann melde Dich jetzt zum IG-Fotografie-Newsletter an. 

PS: So schaute der letzte IG-Fotografie Newsletter aus!


 

Schwarzweiß lässt mich in Licht und Schatten denken – Fotograf Christoph Boecken im Interview

Interview mit Fotograf Christoph Boecken - Jeriko
Fotograf, Blogger und Softwareentwickler Christoph Boecken
Fotograf, Blogger und Softwareentwickler Christoph Boecken

Christoph Boecken liebt alte Filmkameras. In seinem Regal befinden sich Klassiker wie die Zenza Bronica SQ-Ai, die Mamiya RB67 Pro SD oder auch die Pentax 6×7. Christoph lebt in Berlin und arbeitet als selbstständiger Softwareentwickler. Zudem betreibt er den Foto-Blog Jeriko.

So bin ich auch auf Christoph aufmerksam geworden. Da ich seine Art der minimalistischen, reduzierten Schwarzweiß-Fotografie sehr beeindrucken finde, habe ich ihm ein paar Fragen zu seiner Art zu fotografieren gestellt.

1. Wie bist Du zur Fotografie gekommen?

2008 oder 2009 fing ich verstärkt an, Fotografen auf meinem Blog Jeriko vorzustellen und mich mit der Thematik ein bisschen auseinanderzusetzen. Hinzu kam, dass Freunde von mir tolle Fotos machten und damit dem Wesen „Fotograf“ ein Gesicht gaben.

Da dachte ich mir, das kannst du vielleicht auch. Bei einem Online-Marktplatz kaufte ich eine gebrauchte Einsteiger-DSLR und probierte mich aus. Das war vor fünf Jahren, die Fotografie ist seit dem zu einem wichtigen Bestandteil in meinem Leben geworden.

Interview mit Fotograf Christoph Boecken - Jeriko

Meine Kameras sind langsam, meine Shootings bedacht und ruhig, wir reden währenddessen sehr viel, machen in drei, vier Stunden vielleicht fünfzig Fotos.

2. Mit welchem Equipment (Kamera, Objektive, Stativ, Filter …) fotografierst Du Deine Porträts hauptsächlich?

Pentax 6x7 Mittelformatkamera (Foto Wikipedia)
Pentax 6×7 Mittelformat (Foto: Wikipedia)

Ich habe immer eine Pentax 6×7 Mittelformatkamera dabei, daneben greife ich dann aber noch in den Schrank und ziehe ein oder zwei weitere Kameras heraus, auf die ich gerade Lust habe. Ich habe nicht gezählt, hier müssten sich aber etwa ein Dutzend Kameras befinden…

An der Pentax 6×7 befindet sich zum allergrößten Teil das 105mm f/2.4 Standardobjektiv, nur wenn es mal eng wird greife ich zum 55mm f/4 Weitwinkel. Das war es eigentlich schon, ich benutze für Portraits weder ein Stativ noch irgendwelche Filter.

3. Kannst Du Dich noch an das erste Foto erinnern, das Du fotografiert hast?

Nein. Und wahrscheinlich wäre es auch kein erinnerungswürdiges Foto.

„Schwarzweißfotografie lädt zum Experimentieren ein.“

4. Deine Schwerpunkt liegt im Bereich Schwarzweiß-Porträt. Gibt es dafür spezielle Gründe bzw. welchen Reiz übt dieser Bereich auf Dich aus?

Interview mit Fotograf Christoph Boecken - Jeriko

Farbe lenkt für mich ab bzw. gibt dem Foto ein weiteres Element, dass ich nur schwer kontrollieren kann. Schwarzweiß lässt mich in Licht und Schatten denken, es ist wesentlich einfacher für mich, mir das Foto bereits im Kopf vorzustellen – auch wenn mir meine Augen da manchmal gerne einen Strich durch die Rechnung machen.

Bei der Fotografie mit Film kommen auch noch die Möglichkeiten dazu. Es gibt sehr unterschiedliche Filme, die das Bild unterschiedlich aufnehmen, dazu verschiedene Entwickler, die ebenfalls einen großen Einfluss auf das fertige Foto haben, und dann gibt es ja auch noch den Papierabzug… Schwarzweißfotografie lädt auch stark zum Experimentieren ein.

Und Portraits? Die Interaktion mit der Person vor der Kamera. Meine Kameras sind langsam, meine Shootings bedacht und ruhig, wir reden währenddessen sehr viel, machen in drei, vier Stunden vielleicht fünfzig Fotos. Es geht mir auch sehr stark um diese Interaktion, die Fotos sind tatsächlich zweitrangig.

5. Wie würdest Du Deinen fotografischen Stil beschreiben?

Unaufgeregt.

6. Was zeichnet Deiner Meinung nach ein tolles Foto aus?

Das kann ich wirklich nicht sagen. Wahrscheinlich hätte man hier gerne eine Antwort wie „ein Portrait muss eine Geschichte erzählen“ oder dergleichen, aber ganz ehrlich, ich weiss nicht warum mich Foto X kalt lässt, während mich Foto Y zu begeistern weiss.

Interview mit Fotograf Christoph Boecken - Jeriko

„… ich kann nicht 30 Fotos bei einer Szene machen und mir dann das Beste aussuchen.“

7. Spielt der Zufall bei Deinen Arbeiten eine große Rolle oder ist vieles geplant?

Shootings an sich plane ich nicht, da ich ja meist kein Thema oder ähnliches habe. Höchstens sorge ich dafür, dass Fotografieren überhaupt möglich , also genügend Licht vorhanden ist, der Rest ergibt sich dann während des Shootings.

Die Fotos an sich sind aber alle „gestellt“, da überlasse ich nur wenig dem Zufall, einfach aus dem Grund dass es mit der Fotografie auf Film nicht anders geht: ich kann nicht 30 Fotos bei einer Szene machen und mir dann das Beste aussuchen.

Interview mit Fotograf Christoph Boecken - Jeriko8. Wie empfindest Du die technische Entwicklung in den letzten Jahren?

Verfolge ich nur am am Rand, da ich ja nicht digital fotografiere, kann ich also nicht so viel zu sagen. Beeindruckt hat mich allerdings der Aufstieg von Sony, die vieles einfach ausprobieren, selbst wenn es absolute Nischenprodukte sind.

9. Was sind die meist gestellten Fragen in Deinen Shootings?

Gute Frage, weiss ich ehrlich gesagt gar nicht so genau. Ich treffe mich meistens mit den Leuten zu einem Vorgespräch und erzähle so ein bisschen den Ablauf, und während des Shootings führe ich ja meistens. Ich glaube da ergeben sich Fragen gar nicht so direkt.

10. Was sind Deine meist genutzten Kameraeinstellungen im Hinblick auf Blende, ISO und Belichtungszeit?

Wenns geht Blende 4 bei 1/60s, das ist so der Sweet Spot beim 105mm Objektiv. ISO… nun ja, kommt auf den Film an. Kodak Tri-X belichte ich normalerweise mit ISO 800, wenns wirklich dunkel ist auch mal mit ISO 1600. Fujis Neopan bleibt bei seiner Nennempfindlichkeit von ISO 100, und wenn ich alle Jubeljahre mal einen Diafilm einlege habe ich sowieso keine andere Wahl als mich an die Vorgabe zu halten, da sonst sofort Farbverschiebungen drohen.

11. Welche Rolle spielt die Bearbeitung und womit bearbeitest Du Deine Fotos im Nachhinein?

Keine große Rolle, ich versuche ja bereits während des Fotografierens bzw. beim Entwickeln der Filme den gewünschten Look hinzukriegen, was mir meist auch ganz gut gelingt. Außer Kontraste hier und da ein bisschen anziehen oder ggf. die Belichtung ein bisschen zu korrigieren mache ich nicht viel.

12. Wer sind Deine fotografischen Vorbilder?

Jan Scholz macht großartige Fotos, kann man nicht anders sagen. Ryan Muirhead bewundere ich neben seinen Fotos für seine Einstellung zu eigentlich allem, ein grundsympathischer Mensch. Kürzlich stieß ich auf Steve Stanton, der fantastische Portraits von Kindern machte, eine Art der Fotografie, die mich sonst überhaupt nicht interessiert. Sonst folge ich sehr vielen Menschen bei Flickr, die mich mit ihrer Fotografie jeden Tag aufs neue beeindrucken.

“ Ich habe mich viel zu lange in meiner Komfortzone bewegt und mich nicht heraus getraut …“

13. Im Hinblick auf fotografieren lernen: Was hättest Du gerne damals gewusst?

Dass man Dinge einfach probieren muss, völlig egal ob man damit auf die Schnauze fällt oder nicht. Ich habe mich viel zu lange in meiner Komfortzone bewegt und mich nicht heraus getraut, rückblickend hätte ich mit Portraits schon viel früher anfangen sollen.

Interview mit Fotograf Christoph Boecken - Jeriko

14. Hast Du ein Foto, auf das Du besonders stolz bist?

Ja, aber es existiert nur noch in meinem Kopf: das erste Portrait, dass ich von einer mir völlig fremden Person gemacht habe, die ich einfach auf der Straße angesprochen habe. Ich war furchtbar aufgeregt, hatte regelrecht Angst, das Foto selbst ist bestimmt auch kein Highlight gewesen, aber darum ging es mir an dem Tag nicht: ich hab einen Schritt aus meiner Komfortzone gewagt, das war so viel wichtiger als jedes Foto. Der Film war allerdings über 10 Jahre alt, nach dem Entwickeln war darauf nichts mehr zu sehen. Behalten habe ich ihn trotzdem.

15. Was sind Deine nächsten Herausforderungen, auf die Du dich besonders freust?

Einfach besser bei Portraits werden. Mich vielleicht doch mal in Akt probieren, das ist noch mal ein ganz anderes Level, wenn es nicht billig werden soll.

Interview mit Fotograf Christoph Boecken - Jeriko


Christoph Boecken im Internet:

Website: christophboecken.de

Flickr: flickr.com/photos/chrisjeriko

FB: facebook.com/christophboecken.de

Instagram: instagram.com/jeriko

Fotos: (c) Christoph Boecken